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Baustellenbesichtigung B 463 Westtangente Pforzheim

28. September 2017 |

Bei bestem Baustellenwetter begrüßten uns die beiden Vertreter des Baureferates Mitte des RP Karlsruhe, Referatsleiter Jürgen Genthner und Projektleiter Michael Schwab in ihrem für solche Besuchergruppen ausgestatteten Baubüro. Mit Plänen an der Wand und einer anschaulichen Präsentation wurden wir über das Gesamtprojekt „B 463 Westtangente Pforzheim“ und die einzelnen Bauabschnitte informiert, bevor es dann hinaus auf die Baustelle ging..

Vorstellung der Planung im Baubüro

Im Innenstadtbereich Pforzheims treffen die Verkehrsströme dreier Bundesstraßen aufeinander. Bedingt durch eine fehlende Querverbindung zwischen den verkehrsreichen Bundestraßen im gesamten Raum westlich außerhalb Pforzheims (B 294 im Enztal, B 463 im Nagoldtal), der B 10 aus Nordosten und hinzukommendem Quell- und Zielverehr entsteht im Innenstadtbereich ein großer Anteil an Durchgangsverkehr mit entsprechend großem Schwerverkehrsanteil. Daneben wird das Netz am Wochenende noch durch regen Freizeitverkehr in den Schwarzwald belastet, der mangels alternativer Fahrtrouten ebenfalls durch Pforzheim rollt. Dies verdeutlicht den unmittelbaren Bedarf einer leistungsfähigen Ortsumfahrung westlich von Pforzheim. Dabei hat das Projekt bereits eine lange Geschichte. Erste Planungsüberlegungen gab es bereits in den 1960er Jahren. Es dauerte fast 40 Jahre bis zu ersten Planfeststellungsbeschluss im Jahre 1999 mit Rechtskraft in 2005. Die Baufreigabe für den aktuellen Streckenabschnitt 1.02 erfolgte dann 2015. Der sich seit 20.11.2015 im Bau befindliche BA 1.02 beginnt im Norden im direkten Anschluss an die bereits 2009-12 ausgebaute Anbindung der Anschlussstelle A 8 „Pforzheim-West“ an die B 10 (BA 1.01) und führt anschlussfrei in Richtung Süden, während die Heilbronner Straße und der ehemalige Römerwestweg (Viehweg) gekreuzt werden, bevor ein teilplanfreier Anschluss an die Dietlinger Straße (L 562) erfolgt. Das Ende dieses Abschnittes liegt dann ca. 100 m südlich des Knotenpunktes am späteren Portal des sich derzeit in der Planung befindlichen Arlinger Tunnels.

5 Baulose im Bauabschnitt 1.02

Die Überführung der Heilbronner Straße ist das erste von insgesamt vier Brückenbauwerken in diesem Streckenabschnitt und konnte nach elfmonatiger Bauzeit im November 2016 fertiggestellt werden. Die Baukosten für diese Brücke betrugen 1,6 Mio. Euro.

Die Arbeiten am zweiten Brückenbauwerk, der Unterführung des ehemaligen Römerwestweges sind seit August 2017 abgeschlossen. Die Baukosten betragen hier 1,1 Mio. Euro.

Seit dem 24. April 2017 befindet sich die Grünbrücke „Mittelsbergweg“ im Bau. Die Grünbrücke kommt vor allem der Querung von Bechsteinfledermaus, Neuntöter und Zauneidechse zugute. Die Bauzeit des rund 80 m langen tunnelähnlichen Bauwerks ist mit 16 Monaten veranschlagt, sodass die Fertigstellung im August 2018 vorgesehen ist. Die Baukosten für dieses Bauwerk belaufen sich auf 4,5 Mio. Euro.

Grünbrücke Mittelsbergweg, dahinter die ÜF Heilbronner Straße

Da die Grünbrücke mit rund 40.000 m3 Bodenmaterial überschüttet wird, wurde diese Menge Aushubmaterial, hier v.a. Muschelkalk auf einen Zwischenlagerplatz gebracht, mit einem Brecher zerkleinert, und wird bis zum Wiedereinbau gelagert. Zauneidechsen mussten vorab vergrämt werden.

Zwischenlager für 40.000 m3

Im gesamten Baufeld herrschen keine einfachen geologischen Verhältnisse. Während im ersten Teilbereich, wo im Einschnitt gearbeitet wird, harter Muschelkalk abgetragen werden muss, ist im weiteren Verlauf bis zur L 562 der Straßendamm auf weichem Hanglehm herzustellen (d.h. Bodenaustausch, Kalken). Dies erklärt die für einen 1,1 km langen Bauabschnitt recht lange Bauzeit von 3,5 Jahren.

Der Auftrag zum Bau der Unterführung der Dietlinger Straße (L 562), dem letzten Bauwerk in diesem Streckenabschnitt, wurde im Juni 2017 vergeben. Der Baubeginn ist zwischenzeitlich erfolgt. Aufgrund der veranschlagten Bauzeit von 14 Monaten wird mit der Fertigstellung dieses Brückenbauwerks im September 2018 gerechnet (Baukosten 2,8 Mio. Euro).Vor Ort sind derzeit Säcke mit Kalk für die Untergrundverbesserung zu sehen.

Bauende an der L 562 Dietlinger Straße

Neben dem Bau von insgesamt vier Brückenbauwerken werden in diesem 1,1 km langen Streckenabschnitt auch rund 150.000 m³ an Erdmaterial bewegt sowie ca. 12.000 m² Asphaltschichten eingebaut. Die Bauleistungen außerhalb der Bauwerke wurde in einem weiteren Baulos (Erd- und Straßen) separat vergeben. Aufgrund der veranschlagten Bauzeit von eineinhalb Jahren und einem geplanten Baubeginn im November 2017 wird derzeit das Bauende dieses Bauloses und somit die Fertigstellung des gesamten Streckenabschnittes 1.02 bis zur Dietlinger Straße (L 562) bis Mitte 2019 angestrebt. Die Baukosten des Erd- und Straßenbauloses einschließlich Ausstattung und landschaftspflegerische Maßnahmen sind mit rund 8,0 Mio. Euro veranschlagt. Die Baukosten des gesamten Streckenabschnittes belaufen sich auf insgesamt rund 20 Mio. Euro.

Für den Abschnitt 1.03 zwischen der L 562 und der B 294 im Enztal soll in direktem Anschluss bis ca. 2023 der sog. Arlinger Tunnel gebaut werden. Derzeit läuft hier die Ausführungsplanung für das rd. 60 Mio. Euro teure Projekt. Dann wäre der komplette 1. Bauschnitt der Westtangente zwischen der A 8, AS Pforzheim-West und der B 294 geschafft

Der ca. 3,3 km lange 2. Abschnitt soll in einem Tunnel unter dem Sonnenberg hindurch bis ins Nagoltal (B 463) geführt werden und wird wohl an die 200 Mio. Euro kosten. Dieses Teilprojekt ist im aktuellen BVWP 2030 im Weiteren Bedarf mit Planungsrecht gelistet. Da es noch keine vertiefte Planung gibt, ist hier noch etwas Geduld gefragt.

Wir verbrachten einen informativen Nachmittag auf der Baustelle. Vielen Dank nochmal an die Kollegen! Während des Baus des Arlinger Tunnels werden wir sicher wieder vorbeischauen.

Kai Zumkeller