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Baustellenbesichtigung des Streckenabschnitts Nr. 3 Merklingen – Hohenstadt

16. Mai 2017 |
Baustellenbesichtigung Bild 1
Baustellenbesichtigung Bild 1

Bei schönsten Bauwetter fanden sich am 16.05.17 in Merklingen 25 Teilnehmer zur Baustellenbesichtigung des 7,6 km langen Streckenabschnitts Nr. 3 Merklingen – Hohenstadt ein, die uns die Fa. Leonhard Weiss möglich gemacht hatte. Dieser Abschnitt ist Teil des Planfeststellungsabschnitts 2.3 „Albhochfläche“ mit einer Länge von 21 km, in dem die insgesamt rund 60 km lange DB-Neubaustrecke Wendlingen – Ulm unmittelbar neben der BAB A8 ver-läuft, die hier 6spurig ausgebaut wird.

Baustellenbesichtigung Bild 2
Baustellenbesichtigung Bild 2

Das Los der Fa. Leonhard Weiss, das diese in Arbeitsgemeinschaft mit der Fa. Bauer Spezialtiefbau abwickelt, umfasst den Bau von 2 Tunneln in offener Bauweise, 6 Brückenbauwerken, 2.600 m Stützwänden, 2 unterirdischen Regenrück-haltebecken und einem Regenklär- und Versicherungsbecken sowie die Herstellung der Gleistrasse mit der Strecken-entwässerung und des Gleiskörpers mit den Mastfundamenten für die Elektrische Oberleitung ohne die eigentliche feste Fahrbahn. Das Los hat eine Auftragssumme von 87 Mio. € und beinhaltet auch die vorherige Ausführungsplanung und die Erkundungs- und Sanierungsmaßnahmen im Karstgebiet der Schwäbischen Alb. Die Erdarbeiten haben einen Um-fang von rund 1,3 Mio. m³, wovon etwa 800.000 m³ durch Sprengen gelöst werden müssen. Etwa 750.000 m³ sind wieder einzubauen, etwa die gleiche Menge ist abzufahren und zu entsorgen. Die Kollegen Dipl.-Ing. Herrmann Hartle, Projekt-leiter und Dipl.-Ing. Jürgen Schäfer, Teilprojektleiter Erdbau führten über die eindrucksvolle Baustelle, deren besondere Herausforderung der schwere Erd- und Felsbau in dem verkarsteten Baugrund ist

Baustellenbesichtigung Bild 3
Baustellenbesichtigung Bild 3

Der Hochgeschwindigkeitsbetrieb der Bahn erfordert eine extreme Lagegenauigkeit der Gleise. Setzungen müssen da-her ausgeschlossen werden. Der auf der Alb durchgehend anstehende Kalkstein weist eine Vielzahl von Hohlräumen aus. Durch eindringendes Wasser wird ständig Kalk herausgelöst, so dass sich die Hohlräume tendenziell vergrößern, so dass sie insbesondere unter wechselnder Belastung einstürzen können. Oberflächennah standfestes Gestein ist mit Adern von Locker- und Verwitterungsgestein durchzogen. Insgesamt ist der Untergrund inhomogen und hat kein einheit-liches Tragverhalten. Deshalb mussten umfangreiche Erkundungen in sehr engem Raster durchgeführt werden, um die Hohlräume im Lastausbreitungsbereich der Gleise bis in 10 m Tiefe sehr genau zu detektieren. Abhängig von ihrer Lage musste über den Abtrag von Schichten, das Verfüllen der Hohlräume mit Splitt oder Magerbeton nach deren oberflächi-gen Freilegen entschieden werden. Tieferlegende Höhlen müssen erbohrt werden, um sie soweit erforderlich verfüllen zu können.

Trotz der Widrigkeiten des Baugrundes, wird die vorgesehene Bauzeit von 3 Jahren nur unwesentlich und ohne Einfluss auf das Gesamtprojekt überschritten werden. Ein besonderes Ereignis sind die Lockerungssprengungen im Trassenbe-reich unmittelbar neben der Autobahn. Hier wird durch vorausfahrende Polizeifahrzeuge der Verkehr soweit verlang-samt, dass eine wenige Minuten dauernde Zeitlücke entsteht, in der der Autobahnabschnitt verkehrsfrei ist, so dass ge-fahrlos gesprengt und ggf. die Fahrbahn von Gesteinsbrocken gereinigt werden kann. Im Idealfall kommt der Verkehr gar nicht oder nur wenige Minuten vollständig zum Stillstand.

Andreas Weiß