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Baustellenbesichtigung Neubau Sinnersammler Stadt Karlsruhe

20. Juli 2017 |

Vor etwa 100 Jahren waren in Karlsruhe noch nicht einmal 200 km Kanal erbaut. Seither ist das städtische Kanalnetz auf stattliche 1.135 km angewachsen. Wenngleich der Zuwachs an Kanallänge nicht mehr dem rasanten Wachstum der 1960er und 1970er Jahre entspricht, so sind nach wie vor Abschnitte im Netz nicht nur zu erneuern, sondern teilweise auch weiter auszubauen, um eine hohe Funktionsfähigkeit und Betriebssicherheit zu gewährleisten. So auch im Falle des Sinnersammlers.

Herr Schäfer, Leiter des Sachgebiets Bauausführung im Bereich Stadtentwässerung des Tiefbauamtes, begrüßte unsere VSVI-Bezirksgruppe wie auch die Kolleginnen und Kollegen des BWK (Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau) zur gemeinsamen Besichtigung der Baustelle Neubau Sinnersammler im Stadtteil Grünwinkel und gab zunächst eine kurze Übersicht über die Maßnahme. Im Anschluss und nach einer kurzen Erfrischung mit kühlen Getränken führte uns Herr Schmollack als Bauleiter des Tiefbauamtes mit vielen fachtechnischen Erläuterungen über die interessante Baustelle.

Vorstellung der Planung

Der bestehende Sinnersammler (Eiprofil DN 1200) quert in Form eines Dükers mit einem Querschnitt DN 500 das Flüsschen Alb. Aus diesem Grund ist der Sammler heute hydraulisch überlastet. So ging man bei der Stadtentwässerung im März diesen Jahres den Neubau des Sinnersammlers in neuer Lage in Durmersheimer Straße und Carl-Metz-Straße und mit neuer Netzanbindung an. Bevor mit den Tiefbauarbeiten begonnen werden konnte, musste jedoch das Baufeld auf einer Länge von über 700 m zunächst auf Kampfmittelfreiheit mittels Bohrlochsondierungen in einem Raster von 60 cm geprüft werden. Anschließend konnte mit den ersten Baugruben für den Rohrvortrieb begonnen werden. Insgesamt sind 8 Baugruben (3 Doppelpressgruben und 5 Zielgruben) erforderlich, die bis auf eine Baugrube mit gedichteten Spundwänden und Unterwasserbetonsohle hergestellt werden. Die Zielgrube unterhalb der Vogesenbrücke dagegen muss auf Grund der geringen zur Verfügung stehenden Höhe bis zum Brückenüberbau als Absenkschacht, bestehend aus drei Fertigteilelementen, ausgeführt werden.

Absenkschacht unter Vogesenbrücke

Der Einbau von rund 690 m Stahlbetonrohren DN 1200 erfolgt im Rohrvortriebsverfahren mit Online-Überwachung in einer Tiefenlage von 6,5 bis 8 m. Die Querung der Alb war zunächst in offener Bauweise geplant und ausgeschrieben. Umgesetzt wird jedoch der Sondervorschlag der beauftragten Baufirma, der die Albquerung ebenfalls im Rohrvortriebsverfahren und zwei Stahlrohren DN 600 mit innenliegender Betonwandung vorsieht. Zusätzlich werden auf Grund der geringen Überdeckung von wenigen Dezimetern im Bereich der Gewässersohle Betonfertigteile zur Auftriebssicherung im Gewässer platziert.

Verbindungsbauwerk Bestand/Neubau

Für die gesamte Baumaßnahme ist eine Bauzeit von rund einem Jahr veranschlagt. Damit werden knapp 4,5 Mio. Euro in das Kanalnetz der Stadt Karlsruhe investiert.

Tobias Pfister