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Besichtigung des Daimler Forums und des neuen Prüf- und Technologiezentrums Immendingen

23. Juni 2016 |

Immendingen liegt an der B 311 zwischen Donaueschingen und Tuttlingen unweit von der Autobahnanschlussstelle Geisingen der A 81.

Bei herrlichem Sommerwetter trafen wir uns vor dem Immendinger Rathaus (ein ehemaliges Schloss).

Besichtigung des Daimler Forums und des neuen Prüf- und Technologiezentrums Immendingen
Gruppenfoto

Die Firma Daimler AG hat aus Platzgründen im ihrem Daimler Forum in Immendingen die Teilnehmerzahl für diesen Termin leider auf 30 Personen begrenzt. Nachdem von unserer Bezirksgruppe weitere 30 Personen an diesem Besichtigungstermin interessiert sind, bemühen wir uns derzeit um einen zusätzlichen neuen Termin.

Im Daimler Forum wurden wir von Herrn Dr. Lothar Ulsamer, Leiter föderale und kommunale Projekte, bei der Firma Daimler AG herzlich begrüßt. Er gab uns einen ca. 1-stündigen Überblick über das Großprojekt der Firma Daimler AG in Immendingen, der uns sehr beeindruckte:

Die Firma Daimler AG investiert hier auf einem ca. 500 ha großen, ehemaligen Standort der Bundeswehr rund 200 Mio. Euro. Hier sollen künftig Fahrzeuge der Daimler AG getestet werden, wobei die Mobilität der Zukunft im Fokus steht: Optimierung von Verbrennungsmotoren, die Entwicklung von Hybrid-und Elektrofahrzeugen und die Erprobung neuer Leichtbautechnologien. Eine wesentliche Aufgabe des Prüf- und Technologiezentrum ist daneben die Weiterentwicklung des „autonomen und unfallfreien Fahrens“, das künftig eine immer größer werdende Bedeutung im Straßenverkehr haben wird.

Ein für uns beeindruckender Projektablauf ist:

3 Jahre wurde von der Firma Daimler AG nach einem geeigneten Gelände für das Prüf-und Technologiezentrums, vorrangig in Baden-Württemberg gesucht.
Nur 3 Jahre dauerte das umfangreiche Genehmigungsverfahren für das Großprojekt in Immendingen.
3 Jahre soll die Bauzeit betragen.

Seit Projektbeginn legt die Daimler AG großen Wert auf Transparenz, die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger sowie einen engen Dialog mit Umwelt- und Naturschutzverbänden. Die von der Daimler AG in Auftrag gegebenen Gutachten und Pläne konnten im Rathaus Immendingen öffentlich eingesehen werden. In öffentlichen Gemeinderatssitzungen mit Bürgerfragestunden wurde im Oktober 2011 das Großprojekt vorgestellt. Danach wurde die Bevölkerung in Bürgerversammlungen hierüber informiert. Eine große Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Projekt (Presseberichte und interessante Broschüren, Daimler Forum in Immendingen, aktuelle Informationen auf der Homepage, öffentliche Baustellenführungen ab Mai 2016) ist der Firma Daimler AG ein sehr großes Anliegen.

Die anwesenden Mitglieder unserer Bezirksgruppe waren über diese praktizierte Offenheit, Transparenz und Informationspolitik der Firma Daimler AG sehr beeindruckt. Wir waren uns einig, dass diese Praxis oder Vorgehensweise ein Vorbild für öffentliche, besonders größere Projekte wäre.

Vorteile für die Gemeinde Immendingen und die Region
  • Ansiedlung von mind. 300 neuen ArbeitsplätzenZuzug von neuen Einwohnern und zusätzliche Kaufkraft
  • Kooperation mit Hochschulen, Volkshochschulen und Schulen
  • Stärkung der Region bei technologischer Kompetenz und Wirtschaft
  • Aufträge und Anschlussaufträge für Betriebe.

Die Planungen für die verschiedenen Teststrecken des neuen Prüf- und Technologiezentrums in Immendingen wurde von dem erfahrenden Planer und Entwickler von Formel 1 -Rennstrecken Tilke in Aachen erstellt bzw. entwickelt.

Schlechtwegverschmutzung

Seit Herbst 2015 ist hier eine kleinere Teststrecke mit ca. 1,5 km Länge in Betrieb. Besonderheit: 200 m lange, 4 m breite und 3,5 m hohe Streckenüberdachung. Der kurvenreiche, feldwegartige Rundkurs hat einen speziellen Schotterbelag aus Kalksteinmergel und Kalksandsplitt.

Diese Verschmutzungsstrecke simuliert Umstände, mit denen jedes Auto im Alltag konfrontiert ist. Hier werden die Fahrzeuge gezielt Verunreinigungen und Steinschlägen ausgesetzt. Zusätzlich werden in verschiedenen Klima- und Prüfkammern extreme, weltweit verschiedene Wetterbedingungen simuliert.

Danach werden die Fahrzeuge sehr genau untersucht und überprüft bzw. kritisch hinterfragt, was an den Fahrzeugen verbessert werden soll oder muss.

Baustellenbesichtigung des Testgeländes

Mit einem von unserer Bezirksgruppe gemieteten Omnibus sind wir auf die Großbaustelle des künftigen Testgeländes gefahren.

Bild 2 - Besichtigungsplattform
„Von der Besichtigungsplattform konnten wir die z. Zt. laufenden Erdbauarbeiten sehen.“

Für einen reibungslosen Bauablauf wurde das Gelände in verschiedene Baufelder aufgeteilt. Insgesamt werden rund 3,4 Mio. cbm Erdmaterial abgetragen, teilweise zwischengelagert und wieder fachgerecht eingebaut bzw. verdichtet. Pro Tag werden ca. 10.000 cbm Erdmaterial bearbeitet bzw. bewegt. Dies ist z. Zt. die größte Erdbaustelle in Baden–Württemberg. Bis 2018 entstehen rund 56 km Straßen, 12 km Schotterwege und etwa 30 Hektar weitere Asphaltflächen. Eine große Wildbrücke mit einem sehr breiten Wildtierkorridor (Fläche ca. 33 ha) ermöglicht später verschiedenen Tieren das Durchqueren des Testgeländes. Verschiedene größere Stütz- und Lärmschutzwände müssen bei diesem Großprojekt errichtet werden.

Bild 3 - Teilfläche Erdbau
„Blick auf eine Teilfläche des Erdbaus“

Große Kettenbagger fördern das Erdmaterial, das auf Dumper geladen wird. Zahlreiche große Planierraupen und Grader verteilen das von Dumpern angelieferte Erdmaterial. Die Schütthöhe des Erdmaterials beträgt max. 45 cm. Abhängig vom Wassergehalt des Erdmaterials wird der Zement flächig darauf ausgebracht und Großfräsen eingefräst. Ca. 750 to Zement werden täglich zur Verbesserung und Stabilisierung des Erdmaterials verarbeitet. Der Wassergehalt des zu verarbeitenden Erdreiches wird täglich 5 bis 6 mal gemessen und die Zementzugabe entsprechend überprüft bzw. neu bestimmt. Alle eingesetzten Planierraupen, Grader und Walzenzüge sind GPS-gesteuert bzw. GPS-überwacht. Dadurch ist eine laufende Baustellen- und Qualitätskontrolle gegeben.

Ein Problem mit dem Untergrund gibt es z. Zt. auf der Baustelle: Im Untergrund gibt es sog. Quelltone (dies ist jedoch kein Gips!), die bei erforderlichen Geländeeinschnitten von 20 bis 25 m Höhe angeschnitten wurden. Dadurch quillt teilweise der Untergrund um 3 bis 4 cm. Diese Geländebewegungen werden z. Zt. alle 2 Wochen gemessen und verglichen. Erst wenn der Quellvorgang abgeklungen ist, kann der planmäßige Asphaltstraßenbau begonnen werden.

Für dieses Großprojekt in Immendingen berücksichtigt die Firma Daimler AG nach Möglichkeit regionale Baufirmen. Bei dem späteren Straßenbau sollen Schotterwerke und Asphaltmischanlagen im Umkreis von 20 bis 30 km nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Durch diese Vorgehensweise sollen Anwohner sowie die Umwelt, Natur und Tiervorkommen so gut wie möglich geschützt bzw. so gering wie möglich belastet werden.