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Besichtigung des Polders Rheinschanzinsel

6. April 2017 |

Der Polder Rheinschanzinsel wurde im November 2015 in Betrieb genommen. Er hat ein Volumen von 6,2 Mio. m3 auf einer Fläche von 210 ha. Mit der Fertigstellung des Polders ist man beim Integrierten Rheinprogramm (IRP) wieder ein Stück vorangekommen.

Frau Lampert vom zuständigen Referat 53.2 des Regierungspräsidiums Karlsruhe erläuterte uns das Projekt und gab uns einen spannenden Einblick in die Welt des Hochwasserschutzes entlang unseres gewaltigen Hausstromes Rhein. Nach einem Vortrag im Betriebsgebäude fuhren wir mit unserem Bus noch verschiedene Stationen im Poldergebiet an.

Besuchergruppe mit Frau Lampert vor dem Schöpfwerk
Besuchergruppe mit Frau Lampert vor dem Schöpfwerk

Das IRP ist ein Konzept des Landes, mit dem vorrangig umweltverträglicher Hochwasserschutz erreicht werden soll. Hierzu wurde 1982 eine Vereinbarung zwischen Deutschland und Frankreich geschlossen. Von den 13 auf ehemaligen Überflutungsflächen zwischen Basel und Mannheim angedachten Rückhalteräumen sind mit dem Polder Rheinschanzinsel nun vier in Betrieb, drei weitere sind im Bau und die übrigen sechs in der Planung.

Der Rückhalteraum des Polders Rheinschanzinsel ist als sog. Taschenpolder konzipiert. Wenn der Rhein steigt, wird über die Auenschleuse zunächst eine ökologische Flutung eines Teilraumes von 90 ha eingeleitet.

Wildrettungshügel bieten der Tierwelt eine Zuflucht. Wird der kritische Wasserstand nicht erreicht, fließt das Wasser entsprechend dem Rheinpegel über die angelegten Schluten durch die Schleuse wieder ab. So kann in diesem Polderteil wieder eine Auenlandschaft entstehen.

Übersicht zum Polder
Übersicht zum Polder

Steigt der Rhein im Hochwasserfall weiter, wird die Auenschleuse geschlossen, und das Ein-/ Auslassbauwerk kann geöffnet werden. Dies erfolgt auf Grundlage eines deutsch-französischen Reglements über den Einsatz von Hochwasserschutzmaßnahmen. Der gesamte Polder kann nun geflutet werden.

Zentrales Ein-/Auslassbauwerk
Zentrales Ein-/Auslassbauwerk

Der maximale Wasserstand im Polder ist bei 99,40 m+NN erreicht. Mit dem Absinken des Wasserspiegels im Rhein wird der Polder durch das geöffnete Bauwerk wieder entleert Das Schöpfwerk im Osten des Polders ist während der Zeit der Retention im Betrieb. Der Wasserspiegel im Philippsburger Altrhein wird während des Poldereinsatzes zwischen 96,45 und 94,50 m+NN gehalten.

Blick vom Ein-/Auslassbauwerk in den Polder
Blick vom Ein-/Auslassbauwerk in den Polder

Grundwasser aus dem Hinterland, welches bei Poldereinsatz eine Gefährdung für das Sttadtgebiet von Philippsburg darstellt, wird über Pumpwerke am Freiyersee und Walthersee in den Altrhein abgeführt. Die bestehenden Dämme, die den Polder gegen die Binnenseite abgrenzen, wurden an die geltenden Standards angepasst, damit sie, genauso wie die neu gebauten Dämme, den Anforderungen an den Betrieb des Polders entsprechen.

Links das AKW, rechts der Polder
Links das AKW, rechts der Polder

Interessant im Zusammenhang mit dem Bau des rund 75 Mio. EUR teuren Polders war auch die Tatsache, dass für das Versetzen des AKW-Begrenzungszauns eine atomrechtliche Genehmigung erforderlich war.

Luftbild aus dem Info-Flyer
Luftbild aus dem Info-Flyer

Kai Zumkeller