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Besichtigung Münsterbauhütte Freiburg

28. November 2017 |

Zur Besichtigung der Münsterbauhütte Freiburg fanden sich, trotz nasskaltem Wetter, die stattliche Anzahl von 28 Teilnehmern um 15:00 Uhr vor dem Münsterladen in der Herrenstraße ein, wo die Gruppe von der stellvertretenden Vorsitzenden der Bezirksgruppe, Christine Emrich begrüßt wurden. Vom Münsterbauverein Freiburg übernahmen die beiden Damen Dr. Ruth Hötzel und Stephanie Zurbrink je eine Gruppe von 14 Personen und führten diese auf einen Rundgang mit den 3 Anlaufstellen Münsterplatz, Münsterbauhütte und dem Bauhüttenmuseum.

Auf dem Münstervorplatz wurde zunächst ein kurzer geschichtlicher Abriss zum Bau des Münsters gegeben sowie die Aufgaben des Münsterbauvereines mit der Münsterbauhütte erläutert. Um 1200 wurde der Bau des Münsters im spätromanischen Baustil begonnen und ab Mitte des 13.Jahrhunderts im gotischen Stil weitergebaut. Der Münsterturm, der als durchbrochene Pyramide um 1350 fertiggestellt wurde, ist eine der herausragendsten Leistungen der europäischen Gotik. Der anschließende Bau des gotischen Chores wurde 1536 unter Baumeister Johannes Gmünd abgeschlossen, wobei sich die Bautätigkeiten auch nach dem Abschluss dieser Arbeiten mit zahlreichen Ergänzungen und Anbauten, zur Verschönerung der Kirche fortsetzten. Dabei wurden auch immer wieder Reparatur- bzw. Restaurierungsarbeiten notwendig.

Bild 01: Blick auf den Münsterturm
Bild 02: Gerüst am Turmhelm

Die Zuständigkeiten für die Ausführung dieser Arbeiten sind dabei aufgeteilt. Für das Innere, die Dächer und die Glocken ist das Erzbischöfliche Bauamt zuständig. Der Münsterbauverein mit der Münsterbauhütte, die seit nunmehr 800 Jahren als Steinmetzbetrieb existiert, ist im Auftrag des Münsterfabrikfonds, dem Eigentümer des Münsters, für die äußere Steinhülle zuständig.

Zerbröselndes Mauerwerk, Türme, Figuren, Wasserspeier, Kreuzblumen etc. lassen den Steinmetzen der Münsterbauhütte die Arbeit nicht ausgehen. Ursachen dieser Schäden sind die Verwitterung des Steinwerks durch Wind und Regen sowie die Luftverschmutzung. Nicht zuletzt ist es aber auch der Taubenkot, weshalb Figuren z.T. einhaust werden. Um das Nisten der Tauben im Münster zu verhindern, wurde auf Nachbargebäuden (z.B. Altes Kaufhaus) Taubenschläge eingerichtet. Trotz der in den zurückliegenden Jahrhunderten kontinuierlich durchgeführten Restaurierungsarbeiten macht die original mittelalterliche Substanz den mit Abstand immer noch größten Teil des Steinbestands am Freiburger Münster aus.

Die derzeit größte und aufwendigste Baustelle zum Erhalt der „Steinhülle“ stellt die Restaurierung des Turmhelmes dar. Gut sichtbar vom Münsterplatz ist die Einrüstung des Turmhelmes, an dem 2006 mit den Renovierungsarbeiten begonnen wurde. Seitdem befasst sich ein aus 12 Personen bestehendes „Turmteam“ mit dessen Renovierung.

Der Turmhelm besteht aus etwa 2000 Steinen, bei denen Risse zu flicken sind bzw. die ausgetauscht werden müssen und dies bei rund 30 Tonnen Druck, die jeweils von oben auf den Steinen lastet. Der zur Anwendung kommende Mörtel mit mittelalterlicher Struktur muss mindestens 90 Tage frostfrei bleiben, sodass die entsprechenden Arbeiten einer genauen zeitlichen Planung bedürfen. Der Sandstein, aus denen die auszutauschenden Steine, Figuren etc. in der Münsterbauhütte gefertigt werden, stammt aus Steinbrüchen bei Tennenbach und Lahr/ Kuhbach Sämtliche Restaurierungsarbeiten werden genau dokumentiert. Im Jahr 2018 sollen diese Arbeiten ihren Abschluss finden.

Bild 03: In der Werkstadt

Vom Münsterplatz ging es dann in einem kleinen Fußmarsch zur Münsterbauhütte, die seit 1890 vom Freiburger Münsterbauverein getragen wird. Die mittelalterliche Bauhütte befand sich am Münsterplatz und wurde ca. im Jahr 1600 in die Herrenstraße verlegt. 1911 zog die Münsterbauhütte ins Eckgebäude Schoferstraße/Schlossbergring, wo heute rund 15 Mitarbeiter, darunter Steinmetze, Steinbildhauer, Steintechniker sowie Auszubildende, beschäftigt sind.

Bild 04: Steinmetz beim bossieren

Von den Mitarbeitern der Bauhütte werden die Restaurierungsmaßnahmen geplant, die entsprechenden Gesteinsarten ausgewählt, die Steinmetzarbeiten durchgeführt, der Auf- und Abbau der Gerüste vollzogen sowie die fertigen Steine am Bauwerk versetzt und eine Dokumentation der ausgeführten Arbeiten erstellt. In der Bauhütte konnten wir die Steinmetze und Steinbildhauer bei Ihrer Arbeit beobachten.

Bild 05: Werkstück.

Dabei ist nicht alles die große Kür der Steinmetz- bzw. Steinbildhauerkunst. Präzision und künstlerischer Gestaltungssinn sind bei der Herstellung von, dem Original aufs i-Tüpfelchen gleichenden Kopien, von kunstvollen Figuren, gefragt. Handwerkliches Geschick, Geduld und vor allem Ausdauer sind gefragt, wenn es darum geht z.B. einen einzelnen Austauschstein für das Gemäuer herzustellen, bei dem Kanten gefast oder Steinflächen in tagelanger Handarbeit bossiert werden müssen.

Bild 06: Präzisionsarbeit

In der Münsterbauhütte arbeiten hochqualifizierte Spezialisten, die die traditionellen überlieferten Steinmetztechniken beherrschen. Um den Charakter der alten Steinbearbeitung zu wahren, werden die Kopien noch heute mit den traditionellen Werkzeugen hergestellt. Fialen, Kreuzblumen und andere Bauteile, die im Mittelalter verbleit wurden, werden noch heute in diesen Techniken verbaut und befestigt.

Nachdem wir in der Werkstatt einen Eindruck von der Arbeit der Steinmetze gewonnen hatten, besichtigten wir zum Abschluss der Führung noch das Bauhüttenmuseum.

Bild 07: Heiligenfiguren

Ausgetauschte, überlebensgroße Heiligenfiguren, Kreuzblumen, Wasserspeier, Gesimse etc. waren ausgestellt und man konnte dabei aus nächster Nähe betrachten, wie der Zahn der Zeit am Material genagt hatte.

Bild 08: Kreuzblumen
Bild 09: Wasserspeier

Einen Eindruck über die Arbeit der Steinmetze über die Jahrhunderte hinweg, vermittelten die ausgestellten Werkzeuge und Hilfsmittel. Steinbearbeitungswerkzeuge, eine gotische Greifzange, Flaschenzüge oder ein Steintransportwagen sind im Museum ebenso zu sehen wie zum damaligen Zeitpunkt verwendete Verbindungsmittel.

Bild 10: Steinbearbeitungswerkzeuge
Bild 11: Gotische Greifzange
Bild 12: Transportwagen
Bild 13: Münstermodell

Ein aus Holz gefertigtes Modell des Münsters im Maßstab 1:33 rundet die interessante Ausstellung ab.

Am Ende der Besichtigung bedankte sich unsere stellvertretende Vorsitzende Frau Emrich für den informativen Nachmittag bei den Damen Hötzel und Zurbrink. Anschließend ging es zu einem gemeinsamen Abschluss im Kleinen Meyerhof ein, wo man die letzte Veranstaltung des Jahres 2017 der Bezirksgruppe in gemütlicher Runde ausklingen ließ.

Otmar Haag