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Besuch der Ausstellung „Form und Funktion – Vorbild Natur“ im Naturkundemuseum Karlsruhe

22. Februar 2018 |

Erste Veranstaltung im Jahresprogramm 2018 der Bezirksgruppe 3 war der Besuch der Dauerausstellung „Form und Funktion – Vorbild Natur“ im Naturkundemuseum Karlsruhe. Seit Ende Juli 2016 strahlt der Westflügel des Naturkundemuseums in neuem Glanz. In zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde dieser Gebäudetrakt entsprechend seiner ursprünglichen Gestalt vor dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut, womit zusätzliche 1.200 m² Ausstellungsfläche gewonnen worden. Während das Obergeschoss nun für Wechselausstellungen zur Verfügung steht, lädt im Erdgeschoss auf rund 800 m² Fläche die neue Dauerausstellung zu einem Streifzug durch die genialen Erfindungen der Natur ein und zeigt Nutzungsmöglichkeiten in der Technik auf. Dabei geht es nicht nur um das Wissensgebiet der Bionik, es werden auch viele lebende Tiere und Pflanzen gezeigt.

„Vorbild Natur“ im neu gestalteten Westflügel des Naturkundemuseums

So ist die Hauptattraktion sicherlich das größte lebende Korallenriff Deutschlands. Im Zentrum der Ausstellung befindet sich hinter 12 cm dicken Acrylglasscheiben auf 80 m² Grundfläche ein Meerwasseraquarium mit 3 m Wassertiefe. Darin sind auf etwa 18 t totem Riffgestein rund 6 t Lebendgestein angesiedelt. Dazu tummeln sich ca. 200 Schnecken und über 400 Rifffische. Und mittendrin schwimmt der Schwarzsptizenriffhai „Kalli“.

Schwarzspitzenriffhai „Kalli“ gleitet über die lebenden Korallen!

Frau Karl führte uns sachkundig und sehr kurzweilig durch die gesamte Ausstellung mit vielen Hinweisen darauf, wie die Natur Vorbild für technische Problemlösungen sein kann. Die Fäden der Seidenspinnen beispielsweise werden für den Fischfang genutzt. Sie bestehen zu hundert Prozent aus Protein, sind dünner als ein Haar, aber reißfester als Stahl und dehnbarer als Gummi.

Prinzip des Lotuseffektes

Ein weiteres Phänomen, das bereits Eingang in die Technik gefunden hat, ist der Lotuseffekt. Zahlreiche, auch heimische Pflanzenarten zeigen diesen Effekt. Ihre Blattoberflächen sind mit wasserabweisenden Wachskristallen überzogen, wodurch sich runde Wassertropfen bilden, die abfließen und dabei Schmutzpartikel mit sich reißen. Häufig sind die Blätter mit mikroskopisch kleinen Noppen besetzt, was den Effekt verstärkt, da sich die Kontaktfläche verkleinert.

Skelett eines Pazifischen Nordkapers

Neben diesen Prinzipien wurden noch einige andere dargestellt, wie beispielsweise die Selbstoptimierung der Form bei Bäumen oder Knochen. Letzteres Leichtbauprinzip war denn auch Grundlage für die Konstruktion des Eiffelturms.

Am Ende der Ausstellung beeindruckte noch einmal das präparierte Skelett eines Pazifischen Nordkapers. Die Walkuh hatte bei ihrem Fang eine Länge von über 12 m und wog knapp 29 t. Die Knochen bestehen überwiegend aus leichtem Knochengeflecht und erhöhen durch ihren Fettgehalt den Auftrieb. Ob dieses Prinzip schon Eingang in die Segelbootkonstruktionen beim America’s Cup gefunden hat, blieb allerdings unbeantwortet!

Tobias Pfister