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Betriebsbesichtigung der Fa. Mack-Rides in Waldkirch

23. November 2016 |

Um es vorweg zu nehmen: Die Besichtigung der Fa. Mack-Rides in Waldkirch war sicher ein Highlight des Besichtigungsprogramms 2016.

Doch der Reihe nach: Pünktlich trafen sich 29 Teilnehmer zur Fahrt nach Waldkirch bzw. bei der Fa. Mack-Rides zur Besichtigung. Wir wurden begrüßt vom Geschäftsführer Herrn Elverfeld und Herrn Fees, der danach auch die Führung vornahm. Herr Elverfeld gab einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung der Fa. Mack, die auf eine 236-jährige Tradition zurückblickt.

Bild 1: Die Besuchergruppe vor der Werksführung
Bild 1: Die Besuchergruppe vor der Werksführung

Gegründet wurde die Firma Mack im Jahr 1780 als Wagnerei im Stadtgebiet. Bedingt durch Wachstum und Platznot erfolgte der erste Umzug auf ein Gelände unterhalb der Kastelburg, und in den 50-er Jahren an den heutigen Standort in der Mauermattenstraße. Stand früher der Wagenbau im Vordergrund, kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neben dem Wagenbau Fahrgeschäfte hinzu. Wagenbau bedeutete damals vor allem individueller Wagenbau z.B. für Schausteller. Diese Einzelanfertigungen wurden irgendwann zu teuer, und der Wagenbau eingestellt. 1921 wurde die erste Achterbahn aus Holz gebaut und die Entwicklung nahm ihren Lauf.

Mit der Gründung des Europa-Parks wollte man zunächst ein Schaufenster für die eigenen Produkte schaffen, aber auch Erfahrung im Betrieb sammeln. Heute stammen 90 % der Fahrgeschäfte im Europa-Park von der Firma Mack-Rides, die weltweit erfolgreich agiert was nachstehende kleine Aufzählung eindrucksvoll belegt: 95 % Exportquote nach Asien, Dubai, USA / es gibt weltweit nur 5 vergleichbare Hersteller / der Umsatz beträgt 55-60 Mio. € / Aufnahme von Roland Mack in die Hall of Fame / Auszeichnung 1. Preis für das beste Fahrgeschäft und bestes neues Fahrgeschäft 2016.

Bild 2: Showfahrzeug
Bild 2: Showfahrzeug

Die Firma befindet sich zu 100 % im Familienbesitz. 2005 wurden wegweisende Entscheidungen zu Konstruktion und Entwicklung (alles selbst), Maschinenbaufertigung und Fahrzeugbau getroffen. Lediglich Elektrik und Elektronik und die Lackiererei be- sorgen Fremdfirmen. Die Statik wird vom Ingenieurbüro Weiß ausgeführt. Das Personal besteht aus 148 Mitarbeitern, dazu 25 Leiharbeiter, 40 in der Planung, dazu 20 von Ingenieurbüros.

Bild 3: Fahrzeugsitze
Bild 3: Fahrzeugsitze

Die anschließende umfassende Führung durch Herrn Fees berührte alle Fertigungsschritte der Produktion. Grundlage der Fahrgeschäfte sind zunächst einmal die Schienenrohre, die entsprechend den Anforderungen der Fa. Mack hergestellt werden. Diese haben einen Durchmesser von max. 139,7 mm, und eine Wandstärke von 25 mm. Hergestellt werden sie von den Firmen Beuteler und Mannesmann. In der Biegehalle werden die Schienen mittels selbst entwickeltem Roboter kalt verformt.

Bild 4: Schienenschweißung
Bild 4: Schienenschweißung

Die Quetschungen an den Rohrenden erfolgen ebenfalls mit einem Roboter, der von der Fa. Mack entwickelt und patentiert ist. Die Diagonalrahmenfertigung erfolgt mittels KUKA-Roboter. Der Zusammenbau von zwei Schienen erfolgt mittels Flanschen. Jede Schweißnaht (Magg-geschweißt) durchläuft eine Sicht- und Magnetpulverprüfung. So werden pro Jahr 7 ½ Schienen-Kilometer in 3 Schichten, 6 Tage pro Woche hergestellt. Die Toleranzen dürfen lediglich +1 bis -2 mm betragen.

Bild 5: Schienen auf Lager
Bild 5: Schienen auf Lager
Bild 6: Verladen von Schienenabschnitten
Bild 6: Verladen von Schienenabschnitten

Die Stützen werden extern durch die Fa. CSM in Belgien hergestellt. 2012 entstand dann noch ein Logistikbereich im Schieberegallager.

Ein weiterer Produktionsbereich nach der Schienenkonstruktion betrifft die Fahrzeugsitze, welche bis zu 3 g aushalten müssen, und entsprechende Sicherheitsnormen erfüllen müssen. Die gesamte Konstruktion unterliegt daher der Norm 13814, die auch für die Luft- und Raumfahrt gilt.

Die Aufzählung der Produktionsschritte wäre unvollständig ohne Herstellung der Figuren, die nach Wunsch bzw. Entwurf des Kunden in der GFK-Abteilung gefertigt werden. Zunächst wird aus einem Hartschaumblock ein Modell geschnitzt, von dem eine GFK-Form abgenommen wird.

Bild 7: Herstellung von GFK-Formteilen
Bild 7: Herstellung von GFK-Formteilen

Last, not least durften wir noch einen Einblick in den Entwurf neuer Fahrgeschäfte nehmen. Früher wurde mit Gerade, Klotoide und Kreisbogen konstruiert, heute mit Computern in 3D-Technik, Splines, Raumkurven und Herzlinien (6 g max für 1 Sec, 4 g für 2 Sec, länger max 2-3 g). Wegen zu vermeidender Berührungen wird die Konstruktion mit einem Lichtraumschlauch überprüft. Zur Generierung der Daten für die Produktion werden diese im 10 mm-Raster ermittelt.

Bild 8: Planungsgespräch
Bild 8: Planungsgespräch
Bild 9: Konstruktion am PC
Bild 9: Konstruktion am PC

Die Führung war bestimmt so beeindruckend wie die Fahrt mit einem der Fahrgeschäfte im Europa-Park, wobei sich die wenigsten Gäste Gedanken darüber machen dürften, welcher Aufwand hinter dem Vergnügen steckt. Jedenfalls wurden wir nach dem Dank unseres Vorsitzenden hoch beeindruckt zu unserem Abschlusshock entlassen.

Bild 10: Gemütlicher Abschluss im Baubüro in Winden
Bild 10: Gemütlicher Abschluss im Baubüro in Winden

Im Baubüro des Referates 47.1 an der Baustelle „B 294 Ortsumfahrung Winden“ wurde in gemütlicher Runde bei Kuchen und Getränken noch eine gute Weile über das Gesehene gesprochen und auf die übrigen Veranstaltungen des Jahres 2016 der Bezirksgruppe zurückgeblickt.

P. Burkart