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Betriebsbesichtigung Fa. PASCHAL Schalungssysteme Steinach

20. September 2016 |

Es wären dieser Veranstaltung mehr Teilnehmer zu wünschen gewesen. Mit dieser Firmenbesichtigung sollten insbesondere die noch aktiv im Berufsleben steckende Mitglieder unserer Bezirksgruppe, die sich mit Bauwerksentwürfen, aber auch mit der Bauvorbereitung zur Herstellung von Betonbauwerken beschäftigen, angesprochen werden. Dass sich leider nur 13 Interessierte am Dienstag, den 20.September bei der Firma PASCHAL in Steinach einfanden, war bedauerlich. Allerdings bot sich bei der überschaubaren Gruppe besonders die Gelegenheit, den Herstellungsprozess aus nächster Nähe verfolgen und direkt viele Fragen stellen zu können. So erlebte die Gruppe einen äußerst interessanten und vor allem informativen Nachmittag.

Bild 1: Firmenlogo der Firma PASCHAL
Bild 1: Firmenlogo der Firma PASCHAL

Empfangen wurde die Besuchergruppe von Herrn Steiner, einem Urgestein der Firma, der einen informativen Nachmittag vorbreitet hatte. Zunächst begaben wir uns in den Vortragsraum, wo uns Herr Steiner einen Überblick über die Firmengeschichte gab. Ebenso stellte er die Produkte der Firma, angefangen von den einfachen Stecksystemen über Rahmenschalungen, bis hin zu komplexen Schalungssystemen vor.

Im Jahr 1904 wurde die „Baustoffgroßhandlung Josef Maier“ gegründet. Im Jahr 1964 gründete sein Sohn mit seiner Ehefrau Gertrud in Steinach die Firma „G. Maier Metallverarbeitung“ und ergänzte damit den Baustoffgroßhandel um ein selbstständiges Schalungsunternehmen.

Der Tüftler Josef Maier hatte schon damals erkannt, dass Lösungen mit System die Arbeiten auf der Baustelle wesentlich schneller, wirtschaftlicher und sicherer machen.

Bild 2: Die Besuchergruppe im Ausstellungszentrum
Bild 2: Die Besuchergruppe im Ausstellungszentrum

Die „Standard-Schalung“ war die erste patentierte Betonschalung von PASCHAL. Die mit ihr formenden Bauleute nannten sie in ihrer Begeisterung „patente Schalung“. Diese beiden Worte wurden in PA (-tente) und SCHAL (-ung) abgekürzt und als zusammengesetztes Wort PASCHAL als Firmenname auf das Unternehmen übertragen. Zu Beginn handelte es sich bei den produzierten Schalungselementen um einfache kombinierbare Stecksysteme. Sie bestanden aus Rahmen mit Quer- und Längsaus- steifungen und mehrfach verleimten Sperrholzplatten. Danach wurden über Rahmenschalungen kontinuierlich immer mehr patentierte Schalungssysteme entwickelt, die für die steigenden Anforderungen am Bau geeignet sind. Die Systeme sind dabei so konzipiert, dass sie an die Baustelle angepasst werden können – und nicht etwa umgekehrt. So können die Kunden stets optimal bei ihren Bauprojekten beraten werden. Die Unternehmensgruppe wird bereits in der dritten Generation weitergeführt.

In Deutschland garantieren das Stammwerk in Steinach und 5 Niederlassungen in Arnstorf, Berlin, Gifhorn, Hamburg und München, sowie ein dichtes Handelspartnernetz eine große Kundennähe. Internationale Präsenz zeigt das Unternehmen insbesondere durch Niederlassungen in Abu Dhabi, Algerien, Bahrain, Dänemark, Frankreich, Indien, Irak, Saudi-Arabien, Schweiz, Tschechien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie mit Handelspartnern in über 40 Ländern. Die angebotenen technischen Produkte orientieren sich daran, was lokal auf der Baustelle wichtig ist, was der regionale Kunde fordert, und was der jeweilige nationale Markt aufnehmen kann. Dies bedeutet, dass die Firma PASCHAL stets neue Anwendungen und Produkte konzipiert, entwickelt, testet und bereitstellt.

Bild 3: Herr Steiner erläutert das Schalen einer Ecke mit beliebigen Winkel
Bild 3: Herr Steiner erläutert das Schalen einer Ecke mit beliebigen Winkel

Die Firma PASCHAL beschäftigt weltweit über 400 Mitarbeiter, davon etwa 200 Mitarbeiter in Deutschland. Im Gründungsort der Firma, dem Schwarzwaldstädtchen Steinach ist die Firma mit 150 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber am Ort. Im Werk in Steinach bietet die Firma kaufmännische Ausbildungsplätze, sowie Ausbildungsplätze im Werkzeugbau an. In der Regel wird im Steinacher Werk im Einschichtbetrieb gearbeitet, wobei allerdings in Ausnahmefällen zeitweise auch ein Mehrschichtbetrieb gefahren wird. Im Laufe der Zeit wurde das Gelände im Schwarzwaldort Steinach zu klein. In der Firmenleitung entschloss man sich deshalb, den Baustoffhandel auszulagern, sodass heute in Steinach auf dem 6 ha großen Werksgelände nur noch die Firma PASCHAL ansässig ist.

Der Vertrieb der PASCHAL-Schalungselemente und -systeme erfolgt teilweise direkt über die Firma in Steinach, teilweise über Händler (in Deutschland über 60 Handelspartner). Der Preis für die Schalsysteme bzw. -elemente ist überall gleich, wobei diese gekauft oder gemietet werden können. Der o.g. erhebliche Platzbedarf auf dem Werksgelände ist nicht zuletzt der Lagerung der Mietschalung geschuldet. Nach einem Einsatz auf der Baustelle gehen die Schalungselemente wieder im Werk ein. Dort werden diese gereinigt und einer Verschleißkontrolle unterzogen, wobei z.B. Nagellöcher dem normalen Verschleiß zuzurechnen sind. Die Kosten für die Beseitigung von Beulen oder großflächigen Schäden sind allerdings vom Kunden zu tragen.

Bild 4: Schalungssystem Logo 3 mit Betonierbühne
Bild 4: Schalungssystem Logo 3 mit Betonierbühne

Quadratmeter geschalte Fläche zwischen 2 und 3 Euro. Zudem sind die verleimten Sperrholzplatten, die etwa 40% des Preises ausmachen, austauschbar, was die Ver- wendung von PASCHAL-Schalungssystemen noch rentabler macht.

Im Anschluss an den Einführungsvortrag machte sich die Gruppe zu einem etwa ein- stündigen Rundgang durch das Werksgelände auf, wo man, geführt von Herrn Steiner die einzelnen Produktionsschritte erläutert bekam.

Bild 5: Die PASCHAL Universal Rasterschalung
Bild 5: Die PASCHAL Universal Rasterschalung

Beim Wareneingang werden die Rohmaterialien auf Ihre Qualität hin, entsprechend den Vorgaben der QS, überprüft. Wir besichtigten den Stahlrahmenbau, wo die, den zukünftigen Elementrahmen bildenden Flachstähle zunächst abgelängt werden. Je nach zu fertigendem Schalungselement werden danach die Löcher für die späteren Elementverbindungen mit einem Druck von 10 bis 15 to eingestanzt. Die dazu notwendige Presse kann ein Stanzgewicht von 400 to aufbringen. Die Werkzeuge zum Stanzen werden in der Firma selbst herstellt und in der hauseigenen Abteilung für Entwicklung und Konstruktion entworfen

Nach dem Stanzen werden die Stahlteile auf einem Schweißtisch zu einem kompletten Stahlrahmen zusammengeschweißt. Die Schweißungen erfolgen je nach herzustellendem Schalelement von Hand oder per Schweißroboter.

Die Pulverbeschichtung der zusammengeschweißten Stahlrahmen erfolgt nicht im Werk, sondern wird von einer Spezialfirma durchgeführt. Zur Belegung der Rahmen mit der Holzschalungsplatte (mehrschichtige Sperrholzplatten) kommen die Stahlrahmen noch einmal in das Werk in Steinach und gehen dann in den Vertrieb bzw. werden im Werk gelagert. In rollbaren Lagerelementen werden in verschiedenen Etageren die einzelnen Schalungselemente nach Elementarten, Formaten, Größen etc. gelagert. So können, je nach Schalungsaufgabe auf der Baustelle, die benötigten Schalungselemente schnell zusammengestellt und geliefert werden.

Nach der Besichtigung des Produktionsprozesses sowie der Lager für die neuen Schalungselemente und die Mietschalung führte uns ein kleiner Spaziergang durch Steinach in das schön gestaltete Ausstellungszentrum der Firma. Dort waren verschiedene Beispiele von Raster-Universalschalungen für nahezu alle Standart-Schalarbeiten aufgebaut. Zu sehen waren:

  • Fundament-, Stützen- und Kleinflächenschalungen
  • Wandschalungen
  • Trapezträger-Rundschalungen
  • Großflächenschalungen, Kletterschalsysteme und einhäuptiges Schalen
  • Unterstützungssysteme für Fertigteil- und Ortbetondecken
  • Sichtbetonschalungen

Die Gruppe konnte sich ein Bild machen, wie mit den Schalungselementen Lösungen für Ecken-, Ausbuchtungen etc. gefunden werden können. Aufgebaut waren ebenfalls Komplettlösungen für die Schalung von Wänden mit gängigen Wandhöhen die bereits mit klappbaren Arbeitsbühnen und Sicherheitssystemen versehen waren.

Bild 6: Baustellenbeispiel Schalungssystem mit Betonierbühne
Bild 6: Baustellenbeispiel Schalungssystem mit Betonierbühne

Nach intensiver Beschäftigung mit den Ausstellungsstücken ging es wieder zurück ins Werk wo uns Herr Steiner in einem Vortag über Einsatzfälle verschiedener PASCHAL-Schalungselemente und -systme im Brückenbau berichtete. Anhand von Baustellenbildern gelang es Herrn Steiner den Besuchern die Vorteile und den Variantenreichtum von Systemschalungen bei der Lösung von alltäglichen aber auch von kompliziertesten Schalungsaufgaben darzustellen.

Bild 7: Baustellenbeispiel Rundschalung mit PASCHAL-Schalelementen
Bild 7: Baustellenbeispiel Rundschalung mit PASCHAL-Schalelementen

Geradezu im Fluge war ein Nachmittag mit viel und interessanter Information vergan- gen. Unser Bezirksvorsitzender Herr Schmidt bedankte sich am Ende der Veranstal- tung für die Vorbereitung und Durchführung der Betriebsbesichtigung. Er übergab Herrn Steiner das bei der Bezirksgruppe Freiburg übliche Präsent „Freiburger Müns- terwein.“ Danach lud er zur letzten im Jahr 2016 stattfindenden Veranstaltung, der Be- sichtigung der Fa. Mack-Rides in Waldkirch, recht herzlich ein.

gez. Otmar Haag

weitere Bilder vom Firmenbesuch und Baustellenbeispiele aus dem Vortrag von Herrn Steiner (Einsatzfälle verschiedener PASCHAL-Schalungselemente und -system im Brückenbau):

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