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Exkursion Firma Vögele – B50 Hochmoselbrücke – Bunkeranlage Kindsbach

29. September 2017 |

Die 2-tägige Bezirksgruppenexkursion führte am 29. und 30. September 26 Teilnehmer nach Rheinland-Pfalz. Erste Station war die Fa. Vögele in Ludwigshafen-Rheingönheim. Die Herren Herbert Felder und Christian Schütz stellten ihre Firma vor, die vor 140 Jahren ihren Ursprung in einer Mannheimer Schmiede hatte, sich dann zunächst auf die Fertigung von Eisenbahnweichen spezialisierte und seit 1927 sehr erfolgreich Straßenfertiger herstellt.

In den 2010 eingeweihten neuen 60.000 m² großen Fabrikhallen in LU-Rheingönnheim werden von rund 1.000 Mitarbeitern, davon 25 Auszubildenden pro Jahr 3.000 Straßenfertiger und Beschicker hergestellt. Die Nachfrage ist derzeit so groß, dass die Fabrikationskapazitäten deutlich ausgeweitet werden sollen. Die Flächen für weitere Fabrikhallen sind bereits erworben. Der Rundgang durch die Hallen führte vom Stahlzuschnitt mit Lasermaschinen, über Bauteilfertigung mit Schweißautomaten und die Pulverbeschichtung der Bauteile zu den Fertigungslinien, auf denen die Fertiger zusammenmontiert werden. Die Fa. Vögele wird bis zum Jahresende 2017 als Teil der Wirtgen Group mit den Marken Wirtgen (Kaltfräsen, Kalt- und Heißrecycler, Bodenstabilisierer, Gleitschalungsfertiger, Surfaceminer), Vögele (Straßenbaufertiger, Beschicker), Hamm (Walzen), Kleemann (Brech- und Siebanlagen) und Benninghoven (Asphaltmischanlagen) für 4,4 Mrd. € an die John Deere Firmengruppe verkauft sein. Diese neueste Entwicklung führt bei den Mitarbeitern nur deshalb nicht zur Beunruhigung, da man sich aufgrund der Technologie- und Weltmarktführerschaft gut aufgestellt sieht. Der Werksführung schloss sich ein Mittagessen in der Werkskantine ein, zu dem die Fa. Vögele eingeladen hatten. Nächstes Ziel war die Baustelle der Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig. Im Zuge der B 50 neu wird hier bis 2018 eine 29 m breite und 1.700 m lange Stahlbrücke gebaut. Sie überquert in 160 m Höhe die Mosel und wird damit eine der größten Brücken in Deutschland sein. Die Hochmoselbrücke ist Teil des etwa 25 km langen Aus- und Neubaus der B 50, die den Lückenschluss für eine großräumige Fernstraßenverbindung von den belgischen/niederländischen Nordseehäfen sowie den belgischen Ballungsräumen zum Rhein-Main-Gebiet schaffen soll.

Zu dieser Fernstraßenverbindung gehört von der belgischen Grenze bis zur A 1 bei Wittlich die A 60, die bereits 2002 fertig wurde. Um von dort aus eine Verbindung zur A 61 zu schaffen, folgt jetzt der 4streifige Neubau der B 50, die von der A 61 bei Rheinböllen bis westlich des Flughafens Frankfurt-Hahn bereits 4spurig ausgebaut ist. Das Projekt mit eine Baulänge von insgesamt 28 km umfasst 41 Bauwerke, darunter die Moselbrücke, 4 weitere Talbrücken, 12 Grünbrücken und einen Landschaftstunnel. Insgesamt werden 230 ha Fläche benötigt. Hinzukommen weiter 592 ha für Ausgleichsmaßnahmen. 4,1 Mio. m³ Erde müssen bewegt werden. Die Projektkosten belaufen sich auf knapp 500 Mio. €, von denen 175 Mio. € auf die Moselbrücke entfallen. Die schlanke Balkenbrücke ruht auf den beiden Widerlagern und 10 Pfeiler mit Höhen zwischen 20 m und 150 m und Pfeilerabständen von 105 m und 210 m.

Wie der Überbau von der Seite Hunsrück aus im Taktschiebeverfahren über die Mosel geschoben wird, erläuterte der Projektingenieur Christoph Schinhofen vom Standort Trier des Landesbetriebs Mobilität. Er führte uns auf das Bauwerk, wo wir nach einem tapferen Fußmarsch das derzeitige, auskragende Bauende mitten über der Mosel erreichten. Kollege Schinhofen berichtete sehr kompetent und anschaulich über die Herausforderungen der Bauausführung und Details seiner spannenden Arbeit. Neben den Dimensionen und technischen Besonderheiten des Bauwerks beeindruckten bei schönsten Spätsommerwetter auch die Ausblicke aus 160 m Höhe ins bereits leicht bunt gefärbte Moseltal, die später, wenn die Strecke in Betrieb ist, nur noch ganz wenigen vergönnt sein werden.

Den Abschluss des Tages bildete ein gemeinsames Abendessen im Restaurant zum Domstein am Hauptmarkt in Trier. Dort wurden u.a. Speisen und Getränke angeboten, die nach Rezepten aus der Römerzeit zubereitet werden, darunter auch Mulsum ein appetitanregendes, süffiges Honigweingetränk. Die Übernachtung erfolgte im zentral in der Trierer Innenstadt und dennoch ruhig gelegenen Ibis Styles Hotel, was für einen Aufenthalt in Trier durchaus empfohlen werden kann.

Der zweite Exkursionstag begann mit einer Stadtführung auf den Spuren der Römer als Handwerker und Baumeister. Vier Stunden waren dafür angesetzt und den meisten war bange, ob dies durchzuhalten wäre.

Aber dem Stadtführer Volker Meise gelang es, die architektonischen und ingenieurtechnischen Bauleistungen der Römer im historischen Zusammenhang der damaligen Lebensumstände so spannend und anschaulich darzustellen, dass es die 4 Stunden lang keine Minute langweilig war und trotz der Verlockungen der Trierer Altstadt bis zuletzt alle bei der Stange blieben. Erste Station war das in der 2. Hälfte des 3. nachchristlichen Jahrhunderts fertiggestellte Amphitheater, das rund 20.000 Zuschauer fasste. Dort wurden den etwa 60.000 Einwohnern Triers (damals die größte römische Stadt nördlich der Alpen) und der Bevölkerung der Umgebung Spiele und Spektakel geboten, wozu auch die Hinrichtung von Straftätern zählte.

Weiter ging es zu den Kaiserthermen. Die monumentalen Überreste mit den teilweise noch 19 m hoch erhaltenen Mauern sind Teil einer großflächig geplanten spätantiken römischen Badeanlage, die jedoch nie fertiggestellt wurde, da der römische Kaiser sein Quartier verlegte und mit wesentlich älteren und größerenBarbara-Thermen bereits eine andere Badeanstalt vorhanden war. Aus der Kaisertherme wurde später eine Reiterkaserne. Interessant waren die Kanäle für das Abwasser, die Gänge und Räume für das Betriebspersonal, das das warme Wasser erzeugte und die Heizungssysteme. Sie sind deswegen z.T. noch erhalten, da sie im Boden überschüttet worden und deshalb als Steinbruch weniger zugänglich waren. Ein weiterer Teil des UNESCOKulturerbes in Trier ist die Konstantin-Basilika, heute eine evangelische Kirche.

Ursprünglich diente die etwa 70 m lange 29 m breite und 33 m hohe römische Palastaula als Audienzhalle der römischen Kaiser, die im 4. Jahrhundert in der Stadt residierten. Was heute als Ziegelbau sichtbar ist, war zu römischer Zeit verputzt und bemalt. Die Bezeichnung des Bauwerks als Basilika stammt aus dem 19. Jhdt., ist aus heutiger Sicht aber unpassend, da sie nicht dem Bautyp einer Basilika, sondern dem einer Saalkirche entspricht. Auch der katholische Ehrentitel Basilika trifft nicht zu, denn das Bauwerk war nie eine katholische Kirche.

Letztes Highlight war die Porta Nigra. Der Name schwarze Tor stammt erst aus dem Mittelalter, denn zum Zeitpunkt des Baus Ende des 2. Jhdt. war der Kordeler Sandstein noch nicht schwarz verwittert. Gebaut wurde die Porta Nigra als nördliches Stadttor in der römischen Stadtbefestigung. Sie hatte im Süden der Stadt ein Pendant, das nicht mehr erhalten ist. In der Zeit des Mittelalters wurde das Tor als Kirche genutzt und in den folgenden Jahrhunderten in eine Doppelkirche, die Simeonskirche, integriert. Napoleon verfügte 1804 den Abriss der Kirchenbauten und die Rückführung des Bauzustandes auf die römischen Ursprünge. Heute ist die Porta Nigra die Touristenattraktion schlecht hin, die der Stadt Trier mit den anderen 8 Weltkulturerbestätten (KonstantinBasilika, Kaiserthermen, Amphitheater, Dom, Liebfrauenkirche, Römerbrücke, Barbara-Thermen, Igeler Säule) jährlich fast 800.000 Gästeübernachtungen beschert.

Zweite Station bereits auf der Rückfahrt war in Kindsbach bei Landstuhl ein ehemaliger NATOBunker, der 1992 im Rahmen der Konversion an die Besitzerfamilie des Grundstücks zurückgegeben wurde. Wolfgang Würmell, dessen Großvater in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts das Gelände zum Abbau von Formsanden zu Gießereizwecken erworben hatte, führte durch die Bunkeranlage, die mangels geeigneter Nutzungsmöglichkeit nun langsam verfällt. Im Zuge des Westwallausbaues wurden 1937 Teile dieses Geländes von der Deutschen Wehrmacht beschlagnahmt, um für 1,5 Mio. Reichsmark eine große Bunkeranlage zu Verteidigungszwecken zu bauen. Nach dem militärischen Sieg 1940 gegen die Franzosen wurde die Anlage nicht mehr benötigt und diente gegen Ende des Krieges als Munitionslager und Luftschutzbunker. Nach Kriegsende wurde die Anlage von französischen Truppen besetzt und sollte gesprengt werden, bliebt aber erhalten, da der Tiefbrunnen im Bunker die Wasserversorgung von Kindsbach sicherstellte. Im Rahmen des Ausbaues des Flugplatzes Ramstein übernahmen 1951 die Amerikaner die Anlage, renovierten sie und erweiterten sie im westlichen Bereich. 1954 wurde die Anlage von der US Air Force übernommen und als Überwachungs- und Steuerzentrale, unter anderem für den Flugplatz Ramstein, genutzt. Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre wurde die wichtige NATO-Luftverteidigungsanlage mit ungefähr 200 Personen betrieben. Nach Ende des kalten Krieges wurde die Anlage nicht mehr benötigt, der Erbpachtvertrag gekündigt und damit das Gelände mit dem Bunker an die Familie Würmell zurückgegeben. Die Bunkeranlage besteht aus 3 parallelen rund 140 m langen Stollen, die jeweils 5 m breit und 4 m hoch sind und zahlreichen kleineren Verbindungsstollen.

Weitere Ergänzungsbauten aus Stahlbeton wurden vor den Berg gebaut und dann überschüttet. Als Atombunker hat die Anlage nie gedient. Zu sehen waren noch Einteilung der Arbeitsräume und Reste des technischen Equipments zur Notstromversorgung, zur Klimatisierung und die Reste der Kücheneinrichtung. Wurden zunächst die Informationen über verschlüsselte Botschaften per handvermittelten Fernschreibern ausgetauscht, wurde 1963/64 eine Großrechenanlage AWCS 412L (Automated Waepon Control System) eingebaut. Alle von den Radarstationen entlang der Grenze zum Warschauer Pakt erkannten Flugbewegungen wurden per Datenleitung übertragen und konnten dann zu einer Gesamtlage zusammengefasst und zur Vorbereitung der Entscheidung über Krieg und Frieden auf eine große Glaswand projiziert werden. Nach dem Abstecher in die Unterwelt mit seinem feucht schimmeligen Klima ging es auf der Heimfahrt in die Besenwirtschaft des Weinguts Weihbrecht in Bretzfeld-Schwabbach zu einem zünftigen Vesper. Dort fanden zwei gelungene Exkursionstage einen schönen Abschluss.

Andreas Weiß