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Ausstellung über das Leben des Wasseringenieurs und Gelehrten Johann Gottfried Tulla in Rastatt

25. Januar 2016 |

Am Oberrhein erinnern viele Schulen, Straßen oder Plätze noch an seinem Namen. Den großherzoglich badischen Oberst und Oberdirektor des Wasser- und Straßenbaus Johann Gottfried Tulla (1770-1828) verbinden die meisten mit der Begradigung bzw. Korrektion des Rheins. Dass Tulla aber weit mehr Maßnahmen im Straßen- als im Wasserbau umsetzte, wie Rainer Boos in seiner unterhaltsamen Führung durch die Sonderausstellung im Stadtmuseum Rastatt erklärte, ist heute nur wenig bekannt.

Herr Boos, bis Ende 2014 selbst als Bauingenieur in der Abteilung Wasserwirtschaft/Umweltschutz des Regierungspräsidiums Karlsruhe tätig, erzählte mit bemerkenswertem Detailwissen vom Leben Tullas, den Lebensverhältnissen seiner Zeit und der Vision einer Rheinkorrektion.

Herr Boos und Tullas Lehrmeister
Herr Boos und Tullas Lehrmeister

Der Sohn einer lutherischen Pfarrersfamilie genoss mit privatem Unterricht, Assistenzzeit, Studium und Bildungsreisen eine Ausbildung, wie sie zur damaligen Zeit üblich war. In Karlsruhe erhielt Tulla Unterricht bei dem Gymnasiallehrer Boeckmann und dem englischen Ingenieur Burdett, der in Rastatt an der Murgbegradigung beteiligt war. Praktische Erkenntnisse konnte er mit Aufenthalten bei dem Mathematiker Langsdorf und dem Wasserbaumeister Wiebeking erlangen. Das Studium an der Freiberger Bergakademie und Reisen nach Holland und Norwegen vervollständigten Tullas Ausbildung. Finanziert wurde diese vom badischen Staat. Für das Karlsruher Ingenieurskollegium musste er deshalb seine Fortschritte regelmäßig dokumentieren, wie die ausgestellten Originaltagebücher in der Ausstellung belegen. Seine anschließende berufliche Laufbahn beim Staat wurde mit Geld und Naturalien vergütet, u.a. erhielt er bemerkenswerte 1.200 Liter Wein im Jahr.

Der Kontakt zu Gelehrten unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche prägten Tullas Leben. Während er mit dem Architekten und großherzoglichen Oberbaumeister Weinbrenner zusammenarbeiten und die knappen Finanzmittel teilen musste, schätzte er besonders Johann Peter Hebel als Gesprächspartner.

Der Rhein hat in den letzten Jahrtausenden sein Bett immer wieder verlagert. Einige Orte verschwanden dabei vollständig im Fluss. Unzählige Hochwasser hatten den Strom zwischen Basel und Mannheim im Laufe von Jahrtausenden in ein Labyrinth von Wasserstraßen mit vielen kleinen Inseln verwandelt in der Bevölkerung für Not und Elend gesorgt.

Karten mit der nach Tullas Plänen fortgeschrittenen Begradigung im Jahr 1852
Karten mit der nach Tullas Plänen fortgeschrittenen Begradigung im Jahr 1852

1812 legte Tulla seinen Plan zur Rheinkorrektion vor. Damit wollte er die sumpfige Stromlandschaft urbar machen und ebenso einen Wasserweg für die neuen Dampfschiffe schaffen. Künstliche Durchstiche sollten den Flusslauf verkürzen. Die Ausstellung zeigte hierzu detailreiche Karten mit der nach Tullas Plänen fortgeschrittenen Begradigung im Jahr 1852. Unverzichtbare Maßnahmen für die Rheinkorrektion waren die Aufnahme von Geländekarten und die Messung der Wassermengen. Als Voraussetzung für die Landvermessung mussten die vielen verschiedenen, im Großherzogtum geltenden, Längen- und Hohlmaße vereinheitlicht werden. Folglich wurde der badische Fuß auf 30 cm festgelegt und das Dezimalsystem eingeführt.

Besonders aufwendig waren die Begradigungsmaßnahmen in jenem Bereich, in dem der Strom ein größeres Gefälle hat (sog. Furkationszone von Basel bis Rastatt). Dort gab es durch die zahlreichen Verästelungen viele kleine Inseln, die alle abgetragen wurden. Kaum einfacher als die technischen Hürden waren zu dieser Zeit auch die politischen Hindernisse. Erst mit dem Abschluss des Grenzvertrages mit Frankreich am 5. April 1840 wurde der gesamte Rheinausbau nach Tullas Plänen möglich.

Das gewaltige Jahrhundertwerk Tullas, mit dem er 1817 begann, kam durch die Rheinbaumaßnahmen Max Honsells (1843-1910), 50 Jahre nach Tullas Tod, schließlich 1879 zum Abschluss.

Tobias Pfister