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Bahnprojekt Stuttgart – Ulm; Information im Turmforum des Stuttgarter Hbf

14. April 2016 |

Im März 2011, wenige Tage vor der Landtagswahl besuchten wir zum ersten Mal das Turmforum und den Bahnhofsbereich, um uns über das Bahnprojekt zu informieren. Damals blieb insbesondere die spürbar angespannte Stimmung rund um den Hauptbahnhof mit Baumschützern und zahllosen Protestplakaten im Gedächtnis. Nun hatten wir wieder den sog. Erlebnisrundgang gebucht und waren gespannt, wie sich das derzeit größte europäische Bahnprojekt seit dem Schlichterspruch Geißlers entwickelt.

Zunächst „Eintrittskarte“ lösen
Zunächst „Eintrittskarte“ lösen

Herr Dumler von der Deutschen Bahn AG führte uns zunächst durch die Ausstellung im Turmforum, wo er uns die drei Teilprojekte erklärte.

Filstalbrücke
Filstalbrücke

Bei der Neubaustrecke Wendlingen – Ulm ist der Tunnelbau im Albaufstieg in vollem Gange. Die fast 500 m lange Filstalbrücke wird die beiden 8,8 und 4,8 km langen Bahntunnel verbinden. Ab einer Länge von 1.000 m ist laut Brandschutzvorschriften der Bahn eine zweite Tunnelröhre erforderlich, alle 500 m gibt es eine Querverbindung. Der Abschnitt soll 2019 fertiggestellt werden. Künftig werden sich durch die Neubaustrecke die Fahrzeiten erheblich reduzieren, so zwischen Stuttgart und Ulm von heute 58 auf künftig 28 Min.

Tunnelbohrmaschine Fildertunnel
Tunnelbohrmaschine Fildertunnel

Die Tunnelbohrmaschine für den Fildertunnel konnten wir am Modell bestaunen. Entgegen der ursprünglichen Planungen ist am Filderbahnhof mittlerweile ein drittes Gleis für den Anschluss der Gäubahn vorgesehen. Allerdings müssen hier noch ca. 300 Eidechsen umgesiedelt werden, so dass der neue Filderbahnhof vsl. erst nach 2021 fertiggestellt wird. Angemerkt sei, dass die Schutzmaßnahmen pro Eidechse hier rund 4.000 Euro betragen! Überhaupt ist der Umgang mit geschützten Tierarten zunehmend in den Fokus gerückt.

Beeindruckend waren die Ausstellungsbereiche zum Kernprojekt Stuttgart 21 mit Umgestaltung des Stuttgarter Hauptbahnhofes, gezeigt gleich auf mehreren Ebenen des Turmforums.

Begehbares Luftbild mit Planung
Begehbares Luftbild mit Planung

Für den Tunnelaushub im Bereich der direkten Zulaufstrecken zum neuen Hauptbahnhof wird eine bahnparallele Baustraße gebaut, da laut Auflage aus dem Planfeststellungsbeschluss die erwarteten 3.000 Lkw pro Tag nicht durch Stuttgart fahren dürfen. Am Nordbahnhof entsteht zudem ein neues Logistikzentrum für das Umladen des Aushubs auf die Schiene. Die Tunnel selbst werden für Rettungskräfte befahrbar sein. Es wird eine feste Fahrbahn hergestellt.

Lichtaugen – der neue Bahnhof
Lichtaugen – der neue Bahnhof

Teile des alten Bahnhofsgebäudes werden in den neuen Bau integriert, so der von 1914 bis 1917 errichtete Bonatzbau. Künftig werden sich durch die Neubaustrecke die Fahrzeiten erheblich reduzieren, so z.B. zwischen Stuttgart und Ulm von heute 58 auf künftig 28 Minuten. Die heutigen 16 Gleise im Hauptbahnhof werden künftig durch 8 Gleise ersetzt, die jedoch doppelt belegt werden können, mit beidseitiger An-/Abfahrt.

Blick vom Bahnhofsturm nach Westen; im Hintergrund die alte Bahndirektion
Blick vom Bahnhofsturm nach Westen; im Hintergrund die alte Bahndirektion

Insgesamt werden rund 20 ha Gleisfeld nördlich des heutigen Kopfbahnhofs entsiegelt und damit einer anderen Nutzung zur Verfügung gestellt.

Blick vom Turm nach Nordost mit Fuß-gängersteg und Grundwassermanagement
Blick vom Turm nach Nordost mit Fuß-gängersteg und Grundwassermanagement

Im östlichen Baufeld wird der von Süd nach Nord querende Nesenbach künftig unter den Gleisen durchgeführt und gedükert.

Blick vom Infoturm nach Osten
Blick vom Infoturm nach Osten

Herr Dumler stellte uns nach einem Rundgang durch die Baustelle für unseren nächsten Besuch eine Tunnelführung im Bereich des sog. Nordkopfes in Aussicht, wo derzeit die alte denkmalgeschützte Bahndirektion aufwendig unterfangen wird.
Beindruckend sind auch die folgenden Zahlen zum Projekt. Die Besucherzahl des Turmforums beträgt täglich 250 Personen, und auf den Baustellen in Stuttgart sind 1.400 Arbeiter, und außerhalb bis zu 3.000 im Rahmen des Bahnprojektes beschäftigt.

Kai Zumkeller