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Baustellenbesichtigung L 536 OU Schriesheim (Branichtunnel)

10. April 2014 |
An diesem sonnigen Nachmittag reiste unsere Bezirksgruppe in das nördlich von Heidelberg gelegene Schriesheim, wo uns das Baureferat Nord des Regierungs-präsidiums Karlsruhe die Ortsumfahrung, dessen Kernstück der Neubau eines ca. 1,8 km langen Straßentunnels bildet, vor Ort erläuterte. Der Branichtunnel ist eines der vier Großprojekte, die aus dem sogenannten „Impulsprogramm“ des Landes finanziert werden, und mit ca. 80 Millionen Euro die derzeit größte Baustelle im Landesstraßenbau. Die Bauarbeiten wurden Ende 2008 offiziell begonnen. Derzeit sind die Arbeiten für den Tunnelrohbau in vollem Gange. Eine Verkehrsfreigabe wird für 2016 angestrebt. image009 Die enge Ortsdurchfahrt von Schriesheim ist mit ca. 14.000 Fz/Tag stark belastet. Durch die Ortsumfahrung erhofft man sich eine Entlastung vom Durchgangsverkehr um rund zwei Drittel. Nach ersten Erläuterungen im Baubüro durch die Herren Eckerle und Staudacker ging es hinaus zu einem Gang über die Baustelle. Über das Westportal, das ebenso wie das Ostportal in offener Bauweise erstellt wird, marschierten wir hinein in den Tunnel. Der Tunnelvortrieb, der nach der „Neuen Österreichischen Tunnelbauweise“ mit Spritzbeton erfolgte, ist mittlerweile abgeschlossen. Besonderes Augenmerk galt während des Sprengvortriebs den Erschütterungen, da der Tunnel unter einem Wohngebiet verläuft. Außerdem war die Ausdehnung eines alten Bergwerks zu beachten. Aufgrund der Geologie und der ursprünglichen Lage der Notausgänge in der engen Ortsdurchfahrt und der damit erwarteten Schwierigkeiten bei der baulichen Herstellung wurde das Fluchtwegekonzept geändert und auf Fensterstollen verzichtet. Stattdessen wurde der tunnelparallele Fluchtstollen verlängert. Auf dem weiteren Weg durch die Röhre passierten wir Arbeitsstellen, an denen die Tunnelabdichtung aufgebracht oder bereits die Schalung gestellt wurde, sahen aber auch Bereiche, wo die Tunnelschale bereits fertiggestellt ist und nur noch die Zwischendecke fehlt. Unter sachkundiger Erläuterung durch Herrn Eckerle konnten wir insgesamt wertvolle Einblicke in den Tunnelbau bekommen. image017 Am Ostportal angekommen, erklärte uns Herr Staudacker die Planung sowie die bisherigen Arbeiten in diesem Bauabschnitt. Aufgrund der beengten Verhältnisse im Portalbereich musste die vorhandene Ostzufahrt von Schriesheim für die Herstellung des Portalbereichs teilweise verlegt werden. Im Endzustand wird sie dann jedoch auf dem in offener Bauweise hergestellten Portalbereich geführt, bevor sie in die neue L 536 einmündet. In diesem Zusammenhang waren auch die Themen Leitungsverlegung sowie die Sicherung des Hanganschnittes interessante Aufgaben. Neben dem eigentlichen Betriebsgebäude am Westportal ist auch hier ein kleines Betriebsgebäude untergebracht, von dem aus sich der Tunnel später steuern lässt. Nach gut dreistündigem Aufenthalt auf der Baustelle waren wir umfassend über das Projekt informiert.