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Baustellenbesichtigung Neubau Eisenbahnbrücke Weiherfeld – Querverschub Stahlbetonrahmen Süd

10. Juni 2014 |
Die Weiherfeldbrücke im Süden von Karlsruhe ist mittlerweile über 100 Jahre alt. Sie überspannt die Weiherfeldstraße und einen Fuß- und Radweg sowie die Alb. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und Kriegseinwirkungen zeigt die dreifeldrige Überführung aus genietetem Stahl Erneuerungsbedarf: die Widerlager haben sich im Laufe der Zeit gesetzt, sowohl die Stahlträger als auch die Widerlager sind korrodiert und leicht verdreht. Da die Brücke unter Denkmalschutz steht, forderte die Denkmalschutzbehörde zunächst das Bauwerk zu erhalten und zu sanieren. Ein daraufhin von der Bahn eingeschalteter Gutachter des KIT kommt zum Ergebnis, dass eine Instandsetzung nicht mehr möglich sei. Der verbaute Stahl wird mittlerweile spröde, seine Stabilität kann nicht mehr langfristig gewährleistet werden. Das Bauwerk muss deshalb komplett erneuert werden. Das neue Bauwerk wurde als Einfeldrahmen mit einer lichten Weite zwischen den Widerlagern von 23,70 m und einer lichten Höhe von 4,70 m entworfen. Im neuen Querschnitt stehen nun für die Alb 10,20 m, für Geh- und Radweg 5,0 m sowie auf der Westseite weitere 2,0 m für Radfahrer und letztlich 6,5 m für den Kfz Verkehr zur Verfügung. Mit der Bauausführung wurde im Januar 2013 begonnen, voraussichtliche Verkehrsfreigabe ist im Herbst 2015 vorgesehen. Für diese Baumaßnahme investiert die Bahn insgesamt rund 21,2 Mio €.   Besondere Bedeutung hat die Eisenbahnüberführung wegen ihrer Nähe zum Hauptbahnhof Karlsruhe für den Bahnbetrieb, da alle von Norden und Süden passierenden Züge über die Brücke fahren. Derzeit finden täglich etwa 560 Zug- und Rangierfahrten über das Bauwerk statt. Der Bahnbetrieb muss daher auch während der Bauzeit soweit wie möglich aufrechterhalten und die Sperrpausen auf ein Minimum reduziert werden. Zu diesem Zweck werden die Strecken, die über die Weiherfeldbrücke führen, nacheinander erneuert. Die geringstmögliche Beeinträchtigung des Bahnbetriebs wird durch das Bauprinzip „Herstellung des Rahmens außerhalb des alten Bauwerks und Querverschub“ erreicht. Die Überbauten werden dabei in zwei Abschnitten – Süd und Nord – hergestellt. Abbruch der alten Brücke und Querverschub des neuen Teils können so innerhalb einer Woche abgewickelt werden. In dieser Zeit wird der Bahnbetrieb auf dem alten Restbauwerk eingeschränkt betrieben. Am 10.06. besichtigte die Ortsgruppe Karlsruhe des VSVI den Querverschub des südlichen Rahmens. Die Bauarbeiten waren im Zeitplan. Während den Arbeiten standen nur die nördlichen Gleise auf der Brücke zur Verfügung, die Strecke Karlsruhe – Ettlingen West – Rastatt konnte nicht befahren werden und musste für den Zugverkehr gesperrt werden. Somit verkehrten alle Züge der Verbindung Karlsruhe – Offenburg für eine Woche über die Parallelstrecke Karlsruhe – Durmersheim – Rastatt. Zudem waren Ersatzbusse im Einsatz. Über mehr als zwei Jahre wurde diese notwendige Sperrpause vorbereitet. Wie die Projektingenieurin Frau Suttheimer berichtete lagen die Einschubarbeiten für das rund 3500 Tonnen schwere Spannbetonbrückenteil mal vier Stunden vor Plan, dann später vier Stunden dahinter, aber nach 36 Metern am Zielort angekommen, war wieder alles im Zeitplan. Was folgt ist das „Abstapeln“ des südlichen Rahmenteils, das aufgrund der engen Platzverhältnisse rund zwei Meter höher als in der vorgesehenen Endlage erstellt wurde. Zentimeterweise soll dann jeweils rechts und links die Brücke abgelassen. Was folgt ist die Herstellung des nördlichen Rahmenteils. Der Querverschub dieses Abschnitts ist für Ende Oktober 2014 vorgesehen. Darauf ist der Bahnbetrieb mit den notwendigen Zugeinschränkungen und Umleitungen eingerichtet. Wichtig war der Bahn auch die Akzeptanz der Baumaßnahme in der Bevölkerung. Mit Presseinformationen, Zeitungs-anzeigen, Presseterminen mit Journalisten auf der Baustelle und der direkten Ansprache der Bürger über die Bürgervereine wurde versucht, die Öffentlichkeit stets auf dem Laufenden zu halten. Besonders zu erwähnen ist dass zur Entlastung der Stadtteile Weiherfeld/ Dammerstock vom Baustellenverkehr extra eine Baustraße entlang der Alb angelegt wurde. Seitens der Stadt Karlsruhe war Bedingung während der Bauzeit den Fußgänger- und Radverkehr über die Baustelle aufrecht zu erhalten. Sperrungen wurden nur gestattet für einzelne Wochen in den Phasen des Abbruchs und des Querverschubs.