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Baustellenexkursion B 294 – Neubau der Ortsumfahrung Winden

15. November 2018 |

Am Nachmittag des 15.11.18 trafen sich die 21 Exkursionsteilnehmer im örtlichen Baubüro in Niederwinden im Elztal, wo sie vom zuständigen Projektleiter, Herrn Daniel Haberstroh vom Referates 47.1 des Regierungspräsidiums Freiburg empfangen wurden. Zu Beginn gab Herr Haberstroh einen Überblick über die Gesamtmaßnahme, sowie die laufenden und die in den nächsten Jahren bevorstehenden Baumaßnahmen.

Bild 1: Herr Haberstroh erläutert die Maßnahme
Bild 1: Herr Haberstroh erläutert die Maßnahme

Nach über 2 Jahrzehnten der Planung fand am 17.11.2015 der offizielle Spatenstich für die Ortsumfahrung Winden im Zuge der B 294 im Landkreis Emmendingen statt. Die B 294, die derzeit von ca. 15.500 Fahrzeugen täglich benutzt wird, stellt für das Elztal als Ost-WestVerbindung die Hauptverbindung zum Großraum Freiburg bzw. zur BAB A5 (Rheintalautobahn) dar. Sie verbindet damit die Nord-Süd-Verbindungen im Oberrheingraben (BAB A5 / Bundesstraße 3) mit der B33 im Kinzigtal im Schwarzwald, von wo aus sie dann weiter Richtung Freudenstadt führt. Mit der Ortsumfahrung Winden wird nicht nur die schwierige Engstelle im Ortsteil Oberwinden beseitigt, sondern die Anwohner in Ober- und Niederwinden können endlich, nach sehr langer Wartezeit, entlastet werden.
Die gesamte Ortsumfahrung Winden ist rund 4,8 Kilometer lang. Die Gesamtkosten werden sind auf rund 82 Millionen Euro veranschlagt. Im Wesentlichen gliedert sich das Projekt in zwei Bauabschnitte. Der Bauabschnitt 1 beinhaltet die Ortsumfahrung des Ortsteiles Niederwinden der Bauabschnitt 2 umfährt den Ortsteil Oberwinden, wobei hier der Tunnel durch den Brandberg das Schlüsselbauwerk sein wird.

Bild 2: Übersichtslageplan
Bild 2: Übersichtslageplan

Bauabschnitt 1: Aus Richtung Freiburg/Waldkirch kommend schwenkt die zukünftige B 294 kurz vor dem Ortsteil Niederwinden bei ca. Bau-km 0+200 nach Südosten ab. Dort wird auch der Anschluss Niederwinden-West gebaut. Im weiteren Verlauf unterquert die B 294 bei ca. Bau-km 0+500 die Bahnlinie Freiburg-Elzach. Das Bauwerk wurde als Dreifeldbrücke konzipiert und wegen der Notwendigkeit, der Aufrechterhaltung des Bahnverkehrs im Elztal, seitlich der Bahnlinie hergestellt und im Querverschubverfahren eingeschoben.

Bild 3: Brücke i.Z.d. Bahnstrecke ü.d. B 294 neu – seitliche Ansicht
Bild 3: Brücke i.Z.d. Bahnstrecke ü.d. B 294 neu – seitliche Ansicht
Bild 4: Brücke i.Z.d. Bahnstrecke ü.d. B 294 neu - Aufsicht
Bild 4: Brücke i.Z.d. Bahnstrecke ü.d. B 294 neu – Aufsicht

Danach verläuft die Trasse parallel zur Bahnstrecke in Richtung Oberwinden. Die Straßentrasse der neuen B 294 wurde so konzipiert, dass diese mit möglichst geringem Landschaftsverbrauch verwirklicht wird. In der Parallellage zur Bahnstrecke schirmt der Bahndamm die B 294 neu weitgehend optisch vom Siedlungsrand Niederwindens ab und dient quasi als „natürlicher Lärmschutz“. Zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftswegenetzes wird bei ca. Bau-km 0+600 im Zuge des Dürrenbergweges eine Brücke über die B 294 notwendig.

Bild 5: Einbau der Armierung in die Dürrenbergwegbrücke
Bild 5: Einbau der Armierung in die Dürrenbergwegbrücke

Durch den Wegfall einer bestehenden Wirtschaftswegbrücke östlich des Bahnhofes Niederwinden (Abbruch) wird ebenfalls zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftswegenetzes ein weiteres neues Brückenbauwerk erforderlich. Diese neue Brücke im Zuge des Hurstwaldweges bei Bau-km 1+200 führt sowohl über die Bahnstrecke als auch über die B 294 neu. Die Überführung hat eine lichte Höhe von 6,15m. Die Überquerung wurde soweit wie möglich nach Westen gelegt, um die Inanspruchnahme von privatem Grundbesitz so weit als möglich zu vermeiden.

Bild 6: Hurstwaldwegbrücke
Bild 6: Hurstwaldwegbrücke

Nach der erneuten Unterquerung der Bahnstrecke bei ca. Bau-km 1+700 muss die B 294 mit einer neuen Brücke bei Bau-km 1+950 über die Elz überführt werden und schwenkt dann wieder auf die ursprüngliche Trasse zwischen den beiden Ortsteilen ein.

Bild 7: Brücke i.Z.d. B 294 ü.d. Elz
Bild 7: Brücke i.Z.d. B 294 ü.d. Elz

Der Anschluss Niederwinden-Ost erfolgt unmittelbar nach der neuen Elzbrücke bei ca. Bau-km 2+100. Sowohl im Bauabschnitt 1 als auch im Anfangsbereich des Bauabschnittes 2 werden umfangreiche landschaftspflegerische Ausgleichsmaßnahmen z.B. für die Zauneidechse oder die seltene Libellenart „Helmazurjungfer“ realisiert.
Bauabschnitt 2: Die B 294 neu verläuft nach der Anschlussstelle Niederwinden-Ost auf der ursprünglichen Trasse der B 294 bis zum Bau-km 2+600, wo sie den Ortsrand von Oberwinden erreicht. Im Bereich der Anschlussstelle Niederwinden-Ost ist bei Bau-km 1+900 zwischen den Sportanlagen eine Fußgängerbrücke über die Elz geplant, da die alte Brücke über die Elz (im Zuge der B 294) zur Gewährleistung der geänderten hydraulischen Verhältnisse abgebrochen werden muss. Der vorhandene Rad- und Fußweg wird über die neue Elzbrücke und nordseitig entlang der Einmündung Niederwinden-Ost geführt. Zwischen Bau-km 2+940 und Bau-km 3+810 wird Oberwinden im nördlichen Bereich mit Hilfe des sogenannten „Brand-Tunnels“ unter- bzw. umfahren. Zwischen Bau-km 2+940 und Bau-km 3+050 wird der sogenannte 110m lange Vortunnel in offener Bauweise errichtet. Dieser wird zum Anschluss an den bergmännischen Tunnel erforderlich. Als Weiterführung des Vortunnels wird ein rd. 760 m langes Tunnelbauwerk (Brandbergtunnel) erforderlich das in bergmännischer Weise hergestellt wird. Die bestehende Wohnbebauung von Oberwinden wird ab Bau-km 2+620 bis zum Tunnelportal bei Bau-km 2+940 nordseitig mit 3 m hohen Lärmschutzwänden geschützt. Die Höhenlage der Trasse wird ab Bau-km 2+860 (Anschlussstelle Oberwinden-West) abgesenkt, um bei Bau-km 2+940 die notwendige Tieflage für den Vortunnel zu erhalten. Der Tunnel erhält zwei Fluchtstollen und wird mit Hilfe von Strahlventilatoren in östlicher Richtung längs entlüftet. Der Ortsteil Oberwinden wird im Westen über eine ca.190 m lange Querspange an die B 294 neu angebunden. Diese ist auch für Langholztransporte passierbar. Nach dem Tunnel erreicht die Trasse bei ca. Bau-km 4+000 die alte vorhandene B 294. Davor erhält die B 294 rund 140 m nach dem östlichen Tunnelprotal einen weiteren Anschluss (AS-Oberwinden-Ost).

Bild 8: Leitungsverlegungen im Vortunnelbereich
Bild 8: Leitungsverlegungen im Vortunnelbereich

Zum Zeitpunkt unseres Baustellenbesuches waren im Wesentlichen Bauarbeiten im Bauabschnitt 1 (Umfahrung Niederwinden) im Gange und dabei insbesondere die Bauarbeiten zur Herstellung der verschiedenen Brückenbauwerke. Im Bauabschnitt 2 wurde gerade mit der Verlegung der verschiedenen Ver- und Entsorgungsleitungen begonnen, die Voraussetzung für die eigentlichen Straßenbauarbeiten des Bauabschnittes 2 sowie für die Herstellung des Tunnelbauwerkes sind. Mit den Tunnelbauarbeiten soll im Jahr 2019 begonnen werden. Nach den Ausführungen im Baubüro ging es vor Ort um die laufenden Bauarbeiten im Bauabschnitt 1 unter die Lupe zu nehmen und auch einen kurzen Blick auf die Vorarbeiten im Bauabschnitt 2 zu werfen.

Bild 9: Nach der Exkursion - nur leicht müde
Bild 9: Nach der Exkursion – nur leicht müde

Nach der Besichtigung bot sich im Baubüro noch die Möglichkeit bei Getränken und über das Gesehene zu diskutieren und weitere Fragen zu stellen, die Projektleiter Haberstroh gerne beantwortete. Unser Vorsitzender Herr Schmidt bedankte sich für den interessanten Nachmittag und kündigte bereits an, dass wir uns nach Beginn der Tunnelarbeiten sicherlich nochmals die Baustelle ansehen werden.

(Otmar Haag)