Drucken

Besichtigung der Baustelle „Neubau einer Radwegverbindung zwischen Rheinau (D) und Gambsheim (F) – Passage 309-“ und Besichtigung der Fischtreppe an der Staustufe Gambsheim

16. Mai 2018 |

Während Petrus bei der Anfahrt der 25 Teilnehmer zur Baustellenbesichtigung sämtliche Himmelschleusen geöffnet hatte, schlossen sich diese pünktlich zum Besichtigungsbeginn um 15:00 Uhr. Es waren danach, bei teilweise sogar sonnigem Wetter, lediglich noch die beiden Schleusentore der Rheinschleuse, die sich ab und an öffneten und damit die auf dem Rhein verkehrenden Schiffe den Höhenunterschied von rund 10 m zwischen Ober- und Unterwasser an der Staustufe überwinden ließen. Auf dem Parkplatz bei der Fischtreppe an der Staustufe empfingen uns Herr Guldenschuh vom Referat 47.1 des Regierungspräsidiums Freiburg, das für die Arbeiten auf deutscher Seite verantwortlich zeichnet und Herr Friedrich vom Conseil Departement du Bas-Rhin, welches die Arbeiten auf französischer Seite durchführt. Nachdem unser Bezirksvorsitzender BD Gerald Schmidt einige Begrüßungsworte gesprochen hatte, erläuterten Herr Guldenschuh und Herr Friedrich die Gesamtmaßnahme. Die Staustufe Gambsheim dient der Gewinnung elektrischer Energie und setzt gleichzeitig die durch Rheinbegradigungen erhöhte Strömungsgeschwindigkeit des Flusses herab. Die an der Grenze der badischen Gemeinde Rheinau und der auf elsässischer Seite gelegenen Gemeinde Gambsheim gelegene Staustufe wurde in den 70-ger Jahren des letzten Jahrhunderts in deutsch-französischer Zusammenarbeit gebaut. Das Gesamtbauwerk besteht aus einem Wehr auf deutscher Seite, einem Wasserkraftwerk und 2 Schleusen auf der französischen Seite und bildet mit den darauf verlaufenden Straßenzügen die querende Straßenverbindung zwischen Frankreich (D 2) und Deutschland (L 87). Es handelt sich um eine grenzüberschreitende Verbindung, die für den internationalen Transitverkehr von Bedeutung ist und die Ost-West- Verbindung zwischen den links- und rechtsrheinisch in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Autobahnen (A35 in Frankreich und A5 in Deutschland) gewährleistet. Der Übergang wird täglich von mehr als 11.000 Fahrzeugen passiert.

Bild 01: Luftbild der Staustufe Gambsheim
Bild 01: Luftbild der Staustufe Gambsheim

Im Jahr 2006 wurde zusätzlich auf der östlichen der zwei Inseln, zwischen denen das Kraftwerk liegt, eine Fischtreppe, auch Fischpass genannt, in Betrieb genommen. Die deutschfranzösische-Grenze verläuft ebenfalls über diese Insel. Die Staustufe Gambsheim–Rheinau ist ein Wahrzeichen der grenzüberschreitenden Region. Der Standort erfreut sich bei den Bürgern schon immer großer Beliebtheit: Sie gehen hier am Rheinufer spazieren, angeln usw. Mehr als 100.000 Passanten halten jährlich spontan, um die Schleusendurchfahrten von Schiffen zu beobachten und den Ausblick auf den Rhein zu genießen. Die Bedingungen dafür sind ungesichert, denn die Brücken sind nur 7 Meter breit, und die Bürgersteige sind für Fußgänger und mehr noch für Radfahrer nicht geeignet. Daher bemühten sich die Mandatsträger von Gambsheim, Rheinau und Umgebung seit Jahrzehnten um:

      1. einen gesicherten Rheinübergang
      2. die Verringerung des Autoverkehrs und die Förderung umweltfreundlicher Verkehrsarten am Standort
      3. die Schaffung einer Ost-West-Verbindung, die die Verknüpfung der regionalen und internationalen Radwegenetze ermöglichen und die Entwicklung des Fahrradtourismus fördern soll
      4. die Annäherung der beiden Länder und vor allem den Austausch zwischen den Bürgern im grenzüberschreitenden Rheingebiet und
      5. die touristische Entwicklung des Standorts durch Erschließung der Anlagen auf dem Areal und eine stärkere Sichtbarmachung seiner Umweltqualität.
Der Verein Passage 309 (die Staustufe befindet sich bei Rhein-km 309) wurde 2005 gegründet. Dessen Hauptziel ist die touristische Nutzung und Entwicklung des Rheinareals Gambsheim, Rheinau und Umgebung. Das vom Verein Passage 309 angestoßene Projekt zur Errichtung eines gesicherten Rheinübergangs brachte private und öffentliche Partner zusammen, die ihr Fachwissen und Know-how in den Dienst des Projekts stellten. Träger des Projekts ist der Verein für die grenzüberschreitende touristische Nutzung und Entwicklung des Rheinareals. Die Hauptziele des außergewöhnlichen Projektes sind:
      a) Bau eines bequemen und gesicherten Übergangs für Fußgänger und Radfahrer zwischen der rechten, östlichen Rheinseite (Rheinau) und der linken, westlichen Rheinseite (Gambsheim) und Förderung des grenzüberschreitenden Austauschs
      b) die Senkung des Verkehrsaufkommens: durch Förderung der Fahrradnutzung für berufliche und Freizeitfahrten, sowie
      c) Neugestaltung des Zugangs zum Kernbereich des Rheinareals.
Im Zusammenhang mit diesem Vorhaben wollen der Verein Passage 309 und die Projektpartner die Nutzung von umweltfreundlichen Verkehrsarten fördern. Das Projekt dient dem Umweltschutz und leistet darüber hinaus einen Beitrag zur touristischen Entwicklung des Rheinareals sowie zur notwendigen Regulierung des wachsenden Besucherverkehrs. Es geht um die Hervorhebung der Raumschaft als rheinüberspannenden Brückenkopf und deren Aufwertung als ökotouristischen Standort. Aussichtsplattformen, gut erreichbare Parkplätze, etc. sollen die Fahrrad- und Fußgängerbrücke zu einem Anziehungspunkt machen. Die Sehenswürdigkeiten des Standorts, wie das Kraftwerk zur Energiegewinnung aus Wasser, die Wehranlage zur Regelung des Rheinwasserstandes, der Schiffsverkehr bei den Schleusendurchfahrten, die Rheinlandschaften sowie die Verbindung von Natur und Ingenieurbauten (z.B. Fischaufstieg) sollen für den Besucher zum Erlebnis werden.

Bild 02: Übersichtslageplan Baumaßnahmen
Bild 02: Übersichtslageplan Baumaßnahmen

Zur Verwirklichung des Projektes sind im wesentlichen folgende Einzelbaumaßnahmen durchzuführen:
Abschnitt 1 Schleuse: RW-Anschluss ans französische Netz (linksrheinisch) und neue Brücken über die 2 Schleusenkanäle
Abschnitt 2 Wasserkraftwerk: Radwegteilstück auf der westlichen Rheininsel mit Stützmauern und Radwegbrücke über den Kraftwerkskanal
Abschnitt 3 östliche Rheininsel u. Fischaufstieg: Radwegteilstück auf der östlichen Rheininsel Abschnitt 4 Mobiles Wehr: Radwegbrücke an der mobilen Wehranlage und RW-Anschluss ans deutsche Netz (rechtsrheinisch).
Der gesamte Investitionsumfang beträgt rund 7 Millionen Euro. Die Maßnahmen werden von der Europäischen Union aus dem INTEREG 5 Programm, einem Fördertopf für grenzüberschreitende Projekte, gefördert. Die Kofinanzierung der EU beläuft sich auf 50 % Projektkosten, 15 % stellt der Conseil Général Bas-Rhin bereit, 20 % das Land BadenWürttemberg, 8 % die Région Grand Est, 4 % der Kraftwerksbetreiber, die Centrale Electrique Rhénane de Gambsheim (CERGA), 2 % die Stadt Rheinau (für die Anbindung an das deutsche Straßennetz) und 1 % der Projektträger Passage 309. Mit den Arbeiten an der Gesamtmaßnahme wurde im Jahr 2016 begonnen. Zum Zeitpunkt unseres Baustellenbesuches waren auf deutscher Seite Teile des Radweges im Bereich der Fischtreppe auf der östlichen Rheininsel bereits fertiggestellt. Im Laufen waren die Arbeiten zur Herstellung des Radweges auf der westlichen Rheininsel (zwischen Kraftwerks- und Schleusenkanal) und die Brücke an der Wehranlage. Herr Guldenschuh erläuterte während der Besichtigung der Arbeiten am Wehrkanalbrückenbauwerk die wesentlichen Daten zur Konstruktion und zum Bauablauf der Brücke.

Bild 03: Herr Guldenschuh erläutert die Baumaßnamen der Brücke ü.d. Wehrkanal
Bild 03: Herr Guldenschuh erläutert die Baumaßnamen der Brücke ü.d. Wehrkanal

Die neue RW-Brücke wird stromabwärts, unterhalb des Stauwehrs parallel zu diesem bzw. zur bestehenden Straßenbrücke hergestellt. Die Gesamtlänge beträgt rund 144 Meter. Bei der Konstruktion handelt es sich um eine Stahl-/Stahlbetonkonstruktion mit je einem seitlichen Stahl-Portalrahmen und 5 Stahlstützen, die auf den Fundamten der Wehranlage gründen.

Bild 04: Darstellung der zukünftigen Wehrkanalbrücke
Bild 04: Darstellung der zukünftigen Wehrkanalbrücke
Bild 05: Gründung der Stahlstützen auf dem Wehrfundament
Bild 05: Gründung der Stahlstützen auf dem Wehrfundament

Die Abstände der Wehranlagenfundamente geben daher die Stützenabstände vor, sodass sich 6 Abschnitte mit jeweils ca. 24 m ergeben. Die Breite zwischen den Geländern wird 3,50 m betragen. Eine Besonderheit wird zukünftig das Geländer sein, das mit Blick auf die touristische Nutzung konstruiert sein wird. Auf nach außen geneigten 1,30 Meter hohen Metallpfosten wird ein roter Handlauf montiert sein, in den LED-Beleuchtungselemente integriert werden. Eingebaute Sichtelemente werden aus rund 14 m Höhe neue Ausblicke auf den Rhein und seine Umgebung ermöglichen. Die Geländerkonstruktion wird den zukünftigen Nutzern bzw. Besuchern einen fantastischen Ausblick auf das Wehr und seine riesigen Wehrtore in unmittelbarer Nähe bieten. Insbesondere bei Hochwasser, werden Besucher die unvorstellbaren Kräfte des Wassers hier eindrucksvoll erleben können.

Bild 06: Blick auf die unterstromige Wehrkanalbrücke
Bild 06: Blick auf die unterstromige Wehrkanalbrücke

Insgesamt werden für das Brückenbauwerk etwa 315 Tonnen Stahl, 175 Kubikmeter Beton und 340 Meter Brückengeländer verbaut werden. Die Brückenbauarbeiten wurden unter halbseitiger Sperrung des Rheinüberganges durchgeführt. Für einige Arbeiten wurden allerdings Vollsperrungen notwendig, die jedoch auf ein Minimum reduziert wurden. So erfolgte der Einbau der Stahlstützen, der Stahlüberbauten und der Betonfertigteilplatten in jeweils 3, von 20:00 bis 6:00 Uhr, dauernden Nachtsperrungen, an je 3 aufeinanderfolgenden Tagen, sodass sich die Vollsperrungen auf nur 9 Nächte summierten.

Bild 07: Brückenüberbau vor der Bewehrung und Betonage
Bild 07: Brückenüberbau vor der Bewehrung und Betonage

Die Kosten für das Brückenbauwerk am Stauwehr belaufen sich auf ca. 2,5 Mio. Euro, die in den Anschlussbereichen herzustellende Stützmauer und der Radwegbau auf deutscher Seite schlagen mit ca. 0,5. Mio Euro zu Buche. Das Bauwerk soll bis ca. September 2018 fertiggestellt werden.
Nach eigehender Besichtigung des im Bau befindlichen Brückenbauwerkes ging es zu Fuß über den Damm der östlichen Rheininsel zur Radwegbaustelle auf der westlichen Rheininsel. Herr Friedrich vom Conseil Departement du Bas-Rhin erläuterte uns dort die auf der östlichen und westlichen Rheininsel durchzuführenden Wegebauarbeiten sowie die noch bevorstehenden Brückenbauarbeiten zur Herstellung der Brücken über den Kraftwerkskanal und die beiden Schleusenkanäle. Im Anschluss an das Brückenbauwerk über den Wehrkanal verläuft der Radweg auf der östlichen Rheininsel unter Nutzung des in diesem Bereich bereits bestehenden Wegenetzes bis zum Fischaufstieg. Das im weiteren Verlauf neu herzustellende, ca. 460 Meter lange Radwegteilstück auf der östlichen Insel, führt in einem weiten Bogen über die deutschfranzösische Grenze bis zum Kraftwerkskanals. Mittels einer weiteren Brücke wird der Kraftwerkskanal überquert. Da diese Brücke über den Kanal auf dem Geländeniveau der östlichen und westlichen Rheininsel verlaufen wird, werden keine Anrampungen an die Brücke notwendig. Das Brückenbauwerk soll als Gitterkonstruktion aus vollverschweißten Aluminiumrohren hergestellt werden und wird sich ohne zusätzliche Stützen über den gesamten Wasserkraftwerkskanal spannen. Die Geländergestaltung entspricht derjenigen der Brücke über den Wehrkanal. Mit rund 36 Meter Spannweite wird das Brückenbauwerk zukünftig die zweitlängste Brücke ohne Zwischenstütze in Frankreich sein. Dieses Brückenbauwerk wird ca. 1,0 Mio. Euro kosten und soll im Jahr 2019 hergestellt werden.

Bild 08: Darstellung zukünftige Kraftwerkskanalbrücke
Bild 08: Darstellung zukünftige Kraftwerkskanalbrücke

Im weiteren Verlauf muss der Radweg auf der westlichen Rheininsel nun wieder vom Geländeniveau der Insel auf das Niveau der beiden vorhandenen Brücken über den Schleusenkanal ansteigen, da diese erneuert werden und zukünftig den Radweg aufnehmen werden. Aufgrund der beengten Verhältnisse auf der westlichen Rheininsel zwischen Kraftwerkskanal und dem Schleusenkanal muss der Radweg serpentinenartig, mit einer nahezu sich um 180 Grad wendenden Kurve, geführt werden, um auf kleinstem Raum die ca. 8 Meter Höhenunterschied zwischen dem Geländeniveau der Insel und der Brücke über den Schleusenkanal zu überwinden. Diese serpentinenartige Führung des Radweges wird durch den Bau einer Stützwand auf der westlichen Rheininsel ermöglicht. Der Radweg wird beidseitig (unten und oben liegend) mit einer Steigung von maximal 4% an der Stützwand entlanggeführt und überwindet dadurch die Höhendifferenz zwischen Insel- und Straßenniveau. Die sich zum Zeitpunkt unseres Besuches im Bau befindliche Stützwand und der Bau des Radweges inclusive der Erdarbeiten auf der westlichen Rheininsel wird mit ca. 0,5 Mio. Euro veranschlagt.

Bild 09: Bau der Stützmauer für Radweg auf der östl. Rheininsel
Bild 09: Bau der Stützmauer für Radweg auf der östl. Rheininsel

Wie Herr Friedrich weiter erläuterte, hat man sich aufgrund des baulichen Zustandes der beiden Brückenüberbauten über die Schleusenkanäle, dazu entschlossen, die bestehenden Überbauten abzubrechen und neue Überbauten herzustellen. Die neuen Brückenüberbauten werden als Stahlverbundbrücken hergestellt und gleichzeitig verbreitert, sodass der 3,50 Meter breite Radweg mit aufgenommen werden kann. Die Trennung zwischen Straßenverkehr und Radverkehr erfolgt zukünftig durch eine Betonwand mit aufgesetztem Stahlgeländer. Das Brückengeländer wird analog der Geländer an den anderen Brücken gestaltet. Mit den Arbeiten an den Brücken über die Schleusenkanäle soll noch im Juni 2018 begonnen werden.

Bild 10: Darstellung zukünftige Schleusenbrücke (Ansicht/Aufsicht)
Bild 10: Darstellung zukünftige Schleusenbrücke (Ansicht/Aufsicht)

Während der Bauarbeiten wird eine etwa 3-monatige Vollsperrung des Rheinüberganges Gamsheim-Rheinau notwendig. Da die Sperrung massive Einschränkungen für die Raumschaft darstellen wird, werden diverse Maßnahmen ergriffen, um die negativen Auswirkungen für die Betroffenen zu reduzieren. Wie wir vor Ort beobachten konnten, wird für Fußgänger eine provisorische Brücke über die beiden Schleusenbecken hergestellt. Diese kann auch von Radfahrern, die absteigen und schieben, benutzt werden. Auf der französischen Seite werden zusätzliche Parkmöglichkeiten für die Pendler geschaffen.

Bild 11: Provisorische Fußgängerbrücke oberhalb der Schleusenkammern
Bild 11: Provisorische Fußgängerbrücke oberhalb der Schleusenkammern

Wer grenznah arbeitet, kann dort parken, über die Fußgängerbrücke gehen und bei Bedarf die provisorische Buslinie, für die auf deutscher Seite an der Staustufe quasi eine Endhaltestelle eingerichtet wird, nutzen. Nachdem Herr Friedrich und Herr Guldenschuh noch einige Fragen der Teilnehmer beantwortet hatten, bedankte sich unser Vorsitzender für die interessante Führung, nicht ohne das übliche Weinpräsent mit Freiburger Münsterwein zu überreichen. Die Teilnehmer begaben sich dann zur Besichtigung des Fischaufstieges auf die östlichen Rheininsel, wo sie bereits von Herrn Ralf Hummel vom Fischereiverband, der schon beim Bau des Fischaufstieges 2006 als Experte dabei war, empfangen wurden.

Bild 12: Empfang durch Herrn Hummel an der Fischtreppe
Bild 12: Empfang durch Herrn Hummel an der Fischtreppe

Vom Aussichtspunkt und der Besucherterrasse hatte man einen guten Ausblick über die gesamte Anlage und bei einem Rundgang wurden die verschiedenen, oberirdisch sichtbaren Anlagenteile in Augenschein genommen.

Bild 13: Blick auf die Fischtreppenanlage
Bild 13: Blick auf die Fischtreppenanlage

Im Empfangs- und Beobachtungsraum, in dem eine großzügige Ausstellung die Besucher mit Wissenswertem zum Thema Rhein, Natur und Fischfang informiert, erläuterte Herr Hummel in einem kurzweiligen Vortrag den Nutzen und die Funktionsweise der Fischtreppe Gambsheim, die eine der größten derartigen Anlagen in Europa ist. Ihr ganzes Leben lang ziehen die wandernden Fische im Laufe der verschiedenen Lebensphasen zwischen dem Meer und den Süßwasserläufen hin und her. So ziehen z.B. Seeforellen, Alsen (oder auch Maifische), Neunaugen oder Störe, die Süßwasserläufe aufwärts, um sich an ihren eignen Laichplätzen zu paaren und dort zu laichen. Durch die wiederhergestellte Qualität des Rheinwasser kehren zwischenzeitlich auch die Lachse zurück. Junge Lachse, z B. leben ein bis drei Jahre in Flüssen und schwimmen, wenn sie die Größe einer Sardine erreicht haben, ins Meer. Sie leben dann vor der grönländischen Küste bis sie ausgewachsen sind, und kehren anschließend ein bis drei Jahre später wieder in den Fluss zurück, in dem sie geboren wurden, um sich zu vermehren. Das Konzept der Fischtreppe ist einfach. Es geht darum, die wandernden Fische in einen künstlichen Wasserlauf zu locken, der das unüberwindbare Bauwerk der Staustufe umgeht. Da es ein typisches Verhalten dieser Fische ist, immer gegen den Strom zu schwimmen, werden sie mit einer Abflussmenge von ungefähr 15 m³/s in 3 Einläufe unterhalb der Staustufe zu den Fischtreppen gelockt. Dank der starken Strömung am Einstieg schwimmen die Lachse, Seeforellen und anderen Fischarten auf die Einläufe der Fischtreppen zu. In der Anlage in Gambsheim überwinden die Fische eine Höhe von ungefähr 11 m, indem sie die Kaskade von 200 m Länge, bestehend aus 39 miteinander verbundenen Becken, durchschwimmen. Die Becken sind durch Spalten miteinander verbunden. Nach Überwindung jeder kleinen Stufe kann der Fisch sich im darüber gelegenen Becken ausruhen.

Bild 14: Fischtreppe mit Einzelbecken
Bild 14: Fischtreppe mit Einzelbecken

Von einem Beobachtungsraum aus wird die Fortbewegung der Fische innerhalb der Treppe auf Video aufgenommen. Anhand der Umrisse ist die Zuordnung der verschiedenen Fischarten und deren Zählung möglich. In den Jahren seit dem Bau der Fischtreppe wurden so insgesamt ca. 400.000 Fische, wie z.B. Lachse. Maifische, Neunaugen, Barben, Brachsen, Nasen und Aale gezählt, wobei. die Aale etwa 50% ausmachen. Wer während des Vortrages von Herrn Hummel aufmerksam die Glasscheibe im Beobachtungsraum im Blick hatte, konnte den einen oder anderen Fisch beim Aufstieg beobachten. Auch bei Herrn Hummel bedankte sich unser Vorsitzender Herr Schmidt mit einem Weinpräsent.

Bild 15: Herr Hummel beim Vortrag vor den Beobachtungsbecken
Bild 15: Herr Hummel beim Vortrag vor den Beobachtungsbecken

Anschließend fuhr die Gruppe nach Altenheim, wo man im Gasthaus Krone bei einem zünftigen Flammkuchenessen und dem einen oder anderen Viertele den Exkursionstag abschloss. Auch zuhause in Freiburg sind alle wieder gut angekommen.

Otmar Haag