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Besuch bei der Fa. Schwörer-Haus in Hohenstein-Oberstetten und Exkursion zur Baustelle 6-streifiger Ausbau der A 8 zwischen Ulm-West und Hohenstadt mit ICE-Trasse

19. Juli 2016 |

Aufgrund der doch recht großen Entfernungen trafen sich bereits um 6:30 Uhr 14 Personen beim Regierungspräsidium Freiburg zur Fahrt zunächst nach Hohenstein-Oberstetten zur Besichtigung der Fa. Schwörer-Haus, wo alle 3 privaten Fahrzeuge pünktlich um 10.00 Uhr eintrafen. Wir wurden von Herrn Dollinger, einem ehemaligen jahrzehntelangen Mitarbeiter der Fa. Schwörer-Haus empfangen, der jetzt für Führungen zuständig ist. Ein erster Einführungsfilm gab zunächst einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung der Firma.

Bild 1: Firmenlogo
Bild 1: Firmenlogo

Gegründet im Jahr 1950 in Sigmaringen als Baustoffhandel, siedelte sie sich 1956 in Hohenstein-Oberstetten an, wo auch der Platz zur Expansion auf heute 50 ha Firmengelände vorhanden war. Schritt für Schritt ging die Entwicklung weiter: 1960 Betonteilfertigung für Objekt- und Gewerbebau in Schönberg, 1966 erste Häuser, 1968 Steinbruch in Stetten bei Haigerloch, 1991 Kundendienstzentrum und Hausbemusterung, 1994 Standort Coswig, 1996 Solarpreis, 1998 Baden- Württembergische Klimaschutzunternehmenszertifizierung, 2010 Europaweite technische Zulassung, 2014 weltweit erstes Aktivplushaus.

An insgesamt 5 Standorten (2 davon in den neuen Bundesländern) wurden so bisher 37.000 Häuser mit ca. 850 Mitarbeitern komplett erstellt (4-5 Häuser/Tag), aber auch veredelte Holzprodukte wie Schnittholz, Brettschichtholz, Vollholz und 3-Schicht- Platten hergestellt und verkauft. 1998 übernahm Johannes Schwörer, ein Neffe des Firmengründers Hans Schwörer, die Leitung des Unternehmens.

Der Rundgang über das Firmengelände und durch die Produktionshallen gab einen guten Einblick in die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Fa. Schwörer.
Die Stationen seien nachfolgend kurz beschrieben:

  • Materialanlieferung
    (nur Fenster, Türen, Treppen werden zugekauft)
  • Holzplatz
    Hier wird Langholz mit 20 m oder Kurzholz mit 5 m Länge angeliefert aus einem Umkreis von ca. 60 km durch Fuhrunternehmer mit 30-40 Langholzzügen (über eine eigene Zufahrt von der Bundesstraße für 200 Lkw täglich). Die Rinde wird verheizt.
    Nach Vermessung der Stämme und der Qualitätsprüfung (Rohdichte, dynamischer Elastizitätsmodul, Faserabweichung, Astigkeit und optische Kontrolle) gelangt das Holz in die
  • Sägehalle
    zur Verarbeitung auf die erforderlichen Größen. Nach der
  • Lufttrocknung
    in der klimatisierten Halle (hierzu sind 72 km Heizrohre verlegt) erfolgt der nächste Schritt in der
  • Leimholzhalle
    mit einer Länge von 200 in welcher sämtliches Leimholz hergestellt wird.
Bild 2: Starkholzlinie
Bild 2: Starkholzlinie

Die einzelnen Teile für die bestellten Häuser werden am Ende direkt in Lkw-Aufleger zusammengestellt und verladen (5 Fahrzeuge/Haus), von wo diese zu den vorgese- henen Bauplätzen verbracht werden, und von Montagetrupps in 4-5 Wochen beste- hend aus 4 Mann zusammengesetzt werden.

Bild 3: Musterhaus
Bild 3: Musterhaus

Der Vollständigkeit halber sei auch noch die werkseigene Bio-Heizanlage erwähnt, mit einer Leistung, die einer 68.000 Einwohner-Stadt entspricht und 81 Tonnen Asche/Woche produziert. Ergänzend wird Gas und max. 10 % Öl verheizt.
Ergänzend gibt es eine Wärmerückgewinnungsanlage (Frischluftkaltsystem) und eine Solaranlage. Weiterhin gibt es eine eigene Kfz-Werkstatt (ständig sind ca. 100 Lkw unterwegs, da kaum Lagerhaltung) und eine Schlosserei. Erwähnt werden soll auch noch die Co-Spanplatte (aus Coswig) die nicht brennbar und als Putzträger gegen Feuchte unempfindlich ist.

Bild 4: Musterhaus
Bild 4: Musterhaus

Nach dieser ausführlichen und interessanten Führung dankte Herr Haag im Namen aller Teilnehmer Herrn Dollinger mit der Empfehlung, den überreichten Wein sich schmecken zu lassen. Bis zur Mittagspause war nun noch etwas Zeit, wodurch sich die Gelegenheit bot, einige der Musterhäuser zu besichtigen.

Die weitere Fahrt führte nach Merklingen zum Baubüro des Referates 42 des Regie- rungspräsidiums Tübingen das für den 6-streifigen Ausbau der A 8 zwischen Hohenstadt und Ulm-West zuständig ist. Begrüßt wurden wir von Herrn Roland Stolz vom Referat 42, der als stellvertretender Projektleiter zwei von vier Bauabschnitten zu verantworten hat.

Bild 5: Herr Stolz und einige Exkursionsteilnehmer beim Einführungsvortrag
Bild 5: Herr Stolz und einige Exkursionsteilnehmer beim Einführungsvortrag

Eine Power-Point Präsentation gab zunächst einen Überblick über die Entstehungs- geschichte als Reichsautobahn Stuttgart-München R 26 von 1934-1936. Im Zusam- menhang mit der DB-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm soll diese wichtigste Ost-West- Achse im süddeutschen Raum nun auf 6 Fahrstreifen mit Standspur parallel zur Bahnstrecke auf 22,3 km in 4 Bauabschnitten mit 7,8, 6,7, 5,7 und 2,1 km ausgebaut werden. Hierzu sind u.a. 30 Brückenbauwerke (davon 1 Grünbrücke und 2 Fle- dermausdurchlässe), 1,365 Mio. m³ Bodenabtrag und 2.132 Mio. m³ Bodenauftrag erforderlich.

Bild 6: Die Dumper rollen im Minutentakt
Bild 6: Die Dumper rollen im Minutentakt
Bild 7: Imposante Stützwand zur Autobahn
Bild 7: Imposante Stützwand zur Autobahn

Auch sind erhöhte Grundwasserschutzmaßnahmen erforderlich, da Wasser für die Versorgung der Stadt Stuttgart auch von hier kommt. Daher wird das Oberflä- chenwasser gefasst und in einem Kanal über 8 kaskadenförmig angeordnete Rückhaltebecken über Pumpwerke in die Donau abgeleitet. Für Zwecke des Lärm- schutzes werden 3 km offenporiger Asphalt eingebaut und 9 km Lärmschutzwände. Als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen: 19 ha Wiederaufforstung, 6 ha Kalkmager- rasen, 12 ha extensive Mähwiesen und die eben erwähnten Fledermausdurchlässe. Weitere Bestandteile der Baumaßnahme sind hier die Erneuerung der Nebenwarn- anlage, Um- und Ausbau der PWC-Anlage „Kemmental“ und der Neubau der Anla- gen „Scharenstetten“ und „Albhöhe“ („Imberg“ fällt weg).

Eine Besonderheit war hier natürlich die Abstimmung mit der DB (wer baut wann was?). Die Gesamtkosten betragen 220 Mio für die Straßenbaumaßnahme und ca. 250 Mio für die DB.

Bild 8: BAB mit paralleler Bahntrasse / Abfahrt zum Betriebsweg zw. DB u. BAB
Bild 8: BAB mit paralleler Bahntrasse / Abfahrt zum Betriebsweg zw. DB u. BAB

Nach der Besichtigung vor Ort dankte Herr Haag auch Herrn Stolz ganz herzlich für die Führung und die aufgebrachte Zeit und wünschte für den weiteren Baufortschritt viel Erfolg und gutes Gelingen.

Nach staureicher Rückfahrt nach Freiburg ging ein langer aber interessanter Tag zu Ende.

Herrn Haag sei für die Vorbereitung und Organisation herzlich gedankt.

gez. Peter Burkart



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