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Exkursion der Bezirksgruppe 5 nach Sachsen-Anhalt

3. Oktober 2016 |

Höhepunkt des Jahresprogramms war die 5tägige Exkursion der Bezirksgruppe nach Sachsen-Anhalt vom 29.09. bis zum 03.10.16.

Exkursion 2016 Bild 1
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Mit 37 Teilnehmern ging es bei bestem Reisewetter los. Nach dem traditionellen Unterwegsfrühstück am Bus war die Eremitage in Bayreuth das erste Ziel. Die im 17. und 18. Jahrhundert entstandene 49 ha große Schloss- und Gartenanlage beeindruckt u.a. durch ihre aufwendigen und prachtvollen Wasserspiele. Sie werden noch immer mit der funktionsfähigen Originaltechnik aus der damaligen Zeit betrieben. Zu besichtigen waren die alten Wassertürme, die über Rohrleitungen im Freispiegelgefälle aus 6 Quellen in einigen Kilometern Entfernung gefüllt werden und die unzähligen Fontänen speisen.

Exkursion 2016 Bild 2
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Besonders amüsant war die innere Grotte im Alten Schloss mit einer schier unendlichen Zahl von Springbrunnen und Wasserauslässen, die durch ein Schiebersystem getrennt angesteuert werden können und

Exkursion 2016 Bild 3
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eine Vielzahl von höchst unterschiedlichen Wasserspielbildern ermöglichen. Ebenfalls zur Eremitage gehören ihre malerischen Wasserspiele vor der märchenhaften Orangerie mit dem zentralen Sonnentempel, der von Apoll, dem Gott der Musen, bekrönt ist. Die zweite Station des Tages war Merseburg, eine Stadt mit über tausendjähriger Geschichte, die insbesondere am Merseburger Dom sichtbar wird, der vielfach umgestaltet und umgebaut und nach der Reformation zu einem evangelischen Gotteshaus wurde.

Exkursion 2016 Bild 4
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Exkursion 2016 Bild 5
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Ein besonderes Schmuckstück stellt darin die barocke Orgel dar, die Ende des 17. Jahrhunderts eingebaut, mehrfach verändert und zu Beginn der 2000er Jahre vollständig restauriert wurde. Nun hat sie wieder die romantische Klangdisposition, die sie von dem berühmten Orgelbauer Friedrich Ladegast im 19. Jahrhundert erhalten hatte. Die Dombesichtigung führte zum Abschluss auf den Dachboden über den Gewölben und auf den Glockenturm, wo der Sturm ganz ordentlich durch die Turmöffnungen pfiff. Beendet wurde der Tag mit einem Abendbuffet im Maritim Hotel Magdeburg, das für die nächsten beiden Nächte das Quartier in Sachsen-Anhalts Hauptstadt war.

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg. Auf der mit 918 m längsten Kanalbrücke Europas kreuzt hier der Mittellandkanal, der als Elbe-Havel-Kanal seine Fortsetzung in Richtung Berlin findet, die Elbe. Bereits 1934 wurde begonnen, eine Kanalbrücke über die Elbe zu bauen, um damit die letzte Lücke der durchgehenden Wasserstraßenverbindung zwischen Rhein und Oder zu

Exkursion 2016 Bild 6
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schließen und den Mittellandkanal und den Elbe-Ha- vel-Kanal zu verbinden. Gleichzeitig startete auch der Bau eines Doppelhebewerkes in Hohenwarthe. Kriegsbedingt mussten aber alle Bauarbeiten 1942 unvollendet eingestellt werden. Aufgrund dieser fehlenden Verbindung mussten die Schiffe auf ihrem Weg vom Mittellandkanal in den Elbe-Havel-Kanal die Elbe benutzen und dabei über das Schiffshebewerk Rot-

Exkursion 2016 Bild 7
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hensee, den Rothenseer Verbindungskanal und die Schleuse Niegripp einen Umweg von 12 km schippern. Ein weiteres Problem stellten die begrenzten Trogabmessungen des Schiffshebewerkes Rothensee dar, das keine Großmotorgüterschiffe aufnehmen kann. Die schwankenden Wasserstände der Elbe beeinträchtigten den Schiffsverkehr zusätzlich. Aufgrund oft wochenlanger Niedrigwasserstände mussten die Schiffe aus Richtung Hannover in Magdeburg leichtern, nicht selten musste man den Schiffsverkehr gänzlich einstellen. Im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 17, dem einzigen Wasser- straßenprojekt, wurde die Wasserstraßenverbindung Hannover – Magdeburg – Berlin zu einer leistungsfähigen europäischen Wasserstraße ausgebaut. Kernstück dieses Projektes war der Ausbau des Wasser- straßenkreuzes Magdeburg. Dazu gehören die Bauwerke:

  • Sparschleuse Rothensee
  • Schiffshebewerk Rothensee (vorhanden)
  • Kanalbrücke über die Elbe
  • Doppelsparschleuse Hohenwarthe
  • Schleuse Niegripp (vorhanden)
  • verbindende Kanalstrecken.

Mit dem Bau des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg wurde eine ganzjährige, vom Wasserstand der Elbe unabhängige Verbindung zwischen Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal sowie eine ganzjährige vollschiffige Anbindung der Magdeburger Häfen an den Mittellandkanal geschaffen. Der Ausbau des Mittellandkanals von der Schleuse Sülfeld bei Wolfsburg bis Magdeburg und der Bau der Kanalbrücke über die Elbe einschließlich der Schleusenneubauten in Rothensee und Hohenwarthe kostete rund 1,65 Mrd. €.

Exkursion 2016 Bild 8
Exkursion 2016 Bild 8

Bis zum Abschluss des Projekts im Jahr 2019 wird die Summe auf 2,04 Mrd. € steigen Dabei werden unter anderem je eine zweite Schleusenkammer mit 190 m Nutzlänge und 12,50 m lichter Breite an den Staustufen Zerben und Wusterwitz gebaut sowie 22 Brücken erneuert oder angehoben. Des Weiteren sollen wasserbauliche Maßnahmen im Bereich der Unteren Havel-Wasserstraße und des Havelkanals und die Anbindung Berlins über eine Nord- wie auch über eine Südtrasse realisiert werden.

Exkursion 2016 Bild 9
Exkursion 2016 Bild 9

Am Vormittag führte eine Busrundfahrt zu ausgewählten Stellen, an denen die alten z.T. weiterhin genutzten Anlagen und die neuen Bauwerke besichtigt werden konnten. Die Erläuterungen während der Tour wurden von unserem Guide sehr humorvoll und kabarettreif vorgetragen, das gesamte Projekt angesichts des weit, weit hinter den Verkehrsprognosen zurückbleibenden Verkehrsaufkommens kritisch kommentiert. Am Nachmittag befuhren wir mit einem Ausflugsdampfer das Wasserstraßenkreuz in einer großen 8 mit 3 Schleusungen und 1 Schiffshebung. Die 4stündige Rundfahrt bot den Genuss des langsamen Reisens und vertiefte die Eindrücke vom Vormittag von der Wasserseite aus.

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Am Abend blieb dann noch Zeit, die Innenstadt auf eigene Faust zu erkunden. Dom, Landtag und Hundertwasserhaus liegen eng beieinander, so dass der Rundgang keine große Anstrengung mehr erforderte.

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Exkursion 2016 Bild 13
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Der dritte Tag begann mit einer Stadtrundfahrt in Magdeburg. Sie führte an vielen bedeutsamen Bauwerken und zentralen Institutionen der Stadt vorbei und zeigte deren bewegte Vergangenheit. Interessant waren die vielen nach der Wende restaurierten Kirchen und Häuser, die neu geschaffenen öffentlichen Einrichtungen und Sportstätten, die neuen Büro- und Verwaltungsgebäude und die für die Bundesgartenschau 1999 angelegten Parks entlang der Elbe und entlang der „alten Elbe“. Endpunkt der Stadterkundung war eine Führung durch die von Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser entworfene „Grüne Citadelle“. Gastronomie, touristische Geschäfte und Wohnungen mit Bezug zum Grünen sind mitten im Stadtzentrum in einem Gebäudekomplex vereint. Das Gesamtkunst/Bauwerk hat sich zum prominentesten Touristenmagnet in Magdeburg entwickelt.

Exkursion 2016 Bild 14
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An Nachmittag ging es dann weiter in Richtung Oranienbaum/Wörlitz, wo das Hotel Landhaus Wörlitzer Hof für die 2 nächsten Nächte als Quartier diente. Zuvor führte ein Abstecher nach FERROPOLIS, dem ehemaligen Braunkohletagebau Golpa Nord Gräfenhainichen. Nach dem Ende des mit der Wende unwirtschaftlich bzw. überflüssig gewordenen Braunkohleabbaus musste eine Verwendung für diese riesige Industriebrache gefunden werden. 1995 wurde deshalb FERROPOLIS „Die Stadt aus Eisen“ gegründet.

Exkursion 2016 Bild 15
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Heute ist FERROPOLIS Museum, Industriedenkmal, Stahlskulptur, Veranstaltungsareal und Themenpark gleichermaßen. Alles beherrschend sind die riesigen Baggermaschinen und Absetzer, die aussehen wie Dinosaurier eines vergangenen Zeitalters. Beeindruckend waren die Stahlkolosse mit fast 40 m Höhe, über 100 m Länge und bis zu 2.000 to Gewicht, die aus nächster Nähe besichtigt und sogar bestiegen werden konnten. Geführt wurden wir durch einen Ingenieur, der zu Zeiten der DDR für den Aufbau und den Betrieb dieser Maschinen verantwortlich war. Mit profundem Fachwissen und viel Herzblut erläuterte er die Technik und die damaligen Betriebsabläufe. Viele Anekdoten zu den schwierigen Arbeitsverhältnissen und z.T. irrwitzigen Gepflogenheiten im sozialistischen Braunkohletagebau und der Energieversorgung würzten seinen Vortrag, der bis zum Einbruch der Dunkelheit gedauert hätte, wenn wir nicht zum Abendessen ins Hotel hätten weiterfahren müssen.

Exkursion 2016 Bild 16
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Der vierte Tag begann mit strahlendem Sonnenschein aus blauem Himmel, also idealen Voraussetzungen für die Besichtigung der Wörlitzer Anlagen. Sie sind Teil des Gartenreichs Dessau-Wörlitz, das seit November 2000 auf der Welterbeliste der UNESCO steht. Gelegen ist das gesamte Gartenreich inmitten des Biosphärenreservats Flusslandschaft Mittelelbe.

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Hier entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch Leopold III. Friedrich Franz, Fürst und Herzog von Anhalt-Dessau, einer der frühesten und wohl auch schönsten Landschaftsparks Kontinentaleuropas. Er ist ein herausragendes Beispiel für die Umsetzung philosophischer Prinzipien der Aufklärung in einer Landschaftsgestaltung, die Kunst, Erziehung und Wirtschaft harmonisch miteinander verbindet. Von bestimmten Positionen aus bieten in der Parkanlage von Bewuchs freigehaltene Sichtachsen dem Besucher Sichten auf markante Stellen wie Gebäude, Tempel, Brücken, Skulpturen, Kunstgegenständen und künstliche geschaffene Landschaftselemente.

Exkursion 2016 Bild 19
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Zentrale Punkt ist das Wörlitzer Schloss. Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, Freund und Baumeister des Fürsten Franz, errichtete es zwischen 1769 und 1773 für das jung vermählte Fürstenpaar. Es ist das früheste klassizistische Schlossbauwerk außerhalb Englands. Als Vorbild dienten ihm Bauwerke in England und Italien. Gefüllt ist das für damalige Zeiten, was die Haustechnik anbelangt, ausgesprochen moderne und beinahe neuzeitlichen Ansprüchen genügende Gebäude, mit unzähligen aus ganz Europa vom Fürsten zusammengetragenen Bildern und Kunstgegenständen.

Exkursion 2016 Bild 20
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Nach der Besichtigung des Schlosses brachten uns Gondeln über den See und die Kanäle zum zwischen 1773 und 1813 erbauten Gotischen Haus. Es ist ein frühes Beispiel für den neugotischen Baustil in Mitteleuropa. Ursprünglich als Wohnung für den Gärtner er-

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richtet, diente das Haus später Wohnhaus für die Nebenfrau des Fürsten und als sein Refugium, Museum und Studienstätte, in dem auch seine Sammlungen, u.a. Glasgemälde des 15. bis 17. Jahrhunderts aus der Schweiz sowie deutsche, niederländische und italienische Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts untergebracht waren.

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Wörlitz selber ist ein kleines ländlich geprägtes Dorf, das von den vielen die Parkanlagen und den im 18. Jahrhundert errichteten Bauwerken besuchenden Touristen lebt und unbedingt auch einen zweiten Besuch wert ist.

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Am fünften und letzten Tag standen noch 2 weitere interessante Ziele auf dem Programm.

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Die Himmelsscheibe von Nebra, einer kleinen an der Unstrut gelegenen Stadt im südlichen Sachsen-Anhalt, ist eine kreisförmige Bronzeplatte mit Applikationen aus Gold und stellt offenbar astronomische Phänomene und religiöse Symbole dar. Ihr Alter wird auf 3700 – 4100 Jahre geschätzt. Dieses Artefakt der frühen Bronzezeit Mitteleuropas gilt als einer der wichtigsten archäologischen Funde aus dieser Epoche sowie als die weltweit älteste konkrete Darstellung des Himmels. Seit Juni 2013 gehört die Himmelsscheibe von Nebra, die im Original aus Sicherheitsgründen im Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalts in Halle zu besichtigen ist, zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland. Gefunden wurde sie am 4. Juli 1999 von Raubgräbern in einer Steinkammer auf dem Mittelberg nahe Nebra. Die Himmelsscheibe diente nach derzeitigen Erkenntnissen als astronomische Erinnerungsstütze – als Memogramm – für diejenigen, die den Himmel der Bronzezeit beobachteten. Die Plejaden konnten zur Bestimmung des Zeitpunkts von Aussaat und Ernte und damit zur Strukturierung des bäuerlichen Jahres genutzt werden. Dieser Zusammenhang wird vom griechischen Dichter Hesiod überliefert und ist wahrscheinlich bereits seit dem Beginn der Jungsteinzeit bekannt.

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Imposant war das Gebäude, die Arche von Nebra wenige 100 m vom Fundort entfernt, in der die astronomischen Hintergründe der Darstellungen auf der Scheibe erläutert und in einem Planetarium anhand von Abbilder des Sternenhimmels verdeutlicht werden.

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Exkursion 2016 Bild 26

Nur kurzer Zwischenstopp auf der Rückreise war Naumburg. Hier reichte die Pause gerade dafür, im Naumburger Dom vorbeizuschauen. Der heute evangelische Naumburger Dom St. Peter und Paul ist die ehemalige Kathedrale des Bistums Naumburg und stammt größtenteils aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Er gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Spätromanik in Sachsen-Anhalt und ist eine Station an der Straße der Romanik. Unerlässlicher Pflichtpunkt der Besichtigung dieser gewaltigen Kirchen- und Klosteranlage sind die einzigartigen Kunstwerke der Stifterfiguren im Westchor. Das Abbild der Markgräfin Uta, der „schönsten Frau des Mittelalters“ sorgt beinahe für so große Menschenansammlungen wie die Mona Lisa im Louvre.

Exkursion 2016 Bild 27
Exkursion 2016 Bild 27

Ihren Ausklang fand die von Frau Kruttschnitt wieder bestens organisierte Reise wie üblich bei der Rückfahrt aus Richtung Nürnberg in der Sonne in Neuendettelsau. Frau Kruttschnitt und unserem Busfahrer Herrn Schmid, der uns wie immer sicher, zügig und immer punktgenau an unsere Ziele gefahren hat. Dank gilt auch allen Mitreisenden, die durch Gebäck- und Kuchenspenden – wir hatten auch am letzten Tag noch etwas zum Beißen und Genießen – zum Gelingen der Reise beigetragen haben.

Andreas Weiß