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Frühjahrsfortbildungsveranstaltung in Ellwangen

12. April 2016 |

Die Frühjahrsfortbildungsveranstaltung der Bezirksgruppe Ellwangen fand am 12.04.16 in den Räumen des Aalener Baustoffprüfinstitut (ABPI) in AA-Fachsenfeld statt. Zwei Themen standen auf dem Programm und bewegten 45 Teilnehmer zum Kommen:

  • Bildung von Homogenbereichen nach der DIN 18300:2015-08
  • Untersuchung von Straßenbelag und -unterbau mittels Georadar

Der Leiter des Sachgebietes Straßenbau und Geotechnik im Referat 42 des Regierungspräsidiums Stuttgart Herr Dipl.-Geologe Björn Beutinger berichtete in seinem sehr interessanten Vortrag über die neue DIN 18300. Waren bislang in den Ausschreibungen für den Erdbau die Böden in 5 Boden- und 2 Felsklassen zu charakterisieren, sind nun Boden und Fels entsprechend ihrem Zustand vor dem Lösen in Homogenbereich einzuteilen. Dabei können mehrere Boden- und Felsschichten, mit vergleichbaren Eigenschaften für die einsetzbaren Erdbaugeräte zusammengefasst werde, wenn sie keine unterschiedlich umweltrelevanten Inhaltsstoffe haben und getrennter Behandlung bedürfen. Die Böden sind je nach geotechnischer Kategorie der Baustelle über mehr oder weniger zahlreiche Kenngrößen zu beschreiben. Dabei können für jede Baustelle die Homogenbereiche unterschiedlich definiert werden. Dies ist so komplex, dass dazu immer eine umfangreiche Baugrunderkundung durch einen sachverständigen Gutachter notwendig wird. Die Homogenbereiche sind in Längs- und Querschnitten darzustellen und später auf der Baustelle auch getrennt aufzumessen. Für die richtige Einschätzung, welcher Homogenbereich wo auf der Baustelle angetroffen wurde, ist ggf. wieder ein Baugrundgutachter zu bemühen. Die Zielrichtung der neuen DIN 18300 ist es, durch eine detailliertere Beschreibung der auszuführenden Leistung dem Auftragnehmer die Disposition seines Baugeräteeinsatzes und des Baustellenablaufs zu erleichtern bzw. diese leicht kalkulierbar zu machen. Allerdings dürften sich kleinere Baustellen für die Auftraggeber durch den erheblichen Mehraufwand bei der Planung, Ausschreibungsvorbereitung und Abrechnung deutlich verteuern und der Auftragnehmerseite große Chancen im Nachtragsmanagement eröffnen. Angesichts zunehmender Bauaufgaben wird dies für die Auftraggeberseite zu einem schwerwiegenden Problem werden, kann sie doch derzeit ihr Personal weder quantitativ noch qualitativ, d.h. mit der notwendigen speziellen Qualifikation verstärken. Auch die Baugrundgutachter könnten schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich die neue DIN in der Praxis wird umsetzen lassen.

Im zweiten Vortrag stellte unser Bezirksgruppenmitglied Dipl.Ing. Joachim Schmid, Leiter des ABPI, die Erkundung des Straßenbelags und -unterbaus mittels Georadar vor. Ein solches Road&Ground Penetrating Radar System (R&GPRS) hat er in bzw. an einem Sprinter installiert, so dass die Erkundung schnellfahrend, ohne nennenswerte Verkehrsbeeinträchtigung, GPS-georeferenziert und zerstörungsfrei durchgeführt werden kann. Das System erkennt durch eine hochfrequente, elektromagnetische Reflexionsmessung Schichtgrenzen im Fahrbahnaufbau. Unterschiedliche Schichten können mit ihrer Dicke erkannt werden, aber auch Risse in unterliegenden Schichten lassen sich ggf. feststellen. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen automatisierten Straßenzustandserfassung, die nur die Fahrbahnoberfläche erfassen kann, lässt sich in die Tiefe blicken. Dazu müssen die Messergebnisse Referenzbohrungen kalibriert werden, damit sie richtig interpretiert werden können. Dennoch lassen sich der Aufwand für Bohrerkundungen reduzieren bzw. genau die Stellen herausfiltern, die eine gezielte Erkundung erfordern. Der Straßenkörper lässt sich exakter aufschließen und der Sanierungsaufwand besser eingrenzen. Die Anzahl der Überraschungen während der Bauausführung wird deutlich minimiert. Insofern wir die Befahrung eines Sanierungsabschnittes zum Standard werden. Im Anschluss an den Vortrag von Kollegen Schmid konnte das Fahrzeug bei einer Messung besichtigt werden.

Frühjahrsfortbildungsveranstaltung
Frühjahrsfortbildungsveranstaltung

Mit 3 Windkraftanlagen vom Typ Enercon E-115 will die Bürgerwindpark Virngrund GmbH & Co. KG im Wald der Heilig-Geist-Stiftung jährlich rund 19 – 21 Mio. kWh Strom für rund 6.000 Haushalte erzeugen und damit etwa 20 % des Energiebedarfs der Stadt Ellwangen abdecken. Zur Baustellenbesichtigung am 11.05.16 konnte Stefan Powolny, der kaufmännische Leiter der Stadtwerke Ellwangen 27 Teilnehmer zur Baustellenbesichtigung begrüßen. Alle 3 Türme waren bereits errichtet, das erste Windrad bereits komplett montiert und stand kurz vor der Inbetriebsetzung. Die Stadtwerke Ellwangen (88%) und die Energiegenossenschaft Virngrund (12%) haben zusammen mit Banken 16,4 Mio. € finanziert, um die Windräder mit einer Nabenhöhe von 149 m und einem Rotordurchmesser von 115 m zu bauen und mindestens 20 Jahre zu betreiben. Erwartet wird eine Kapitalrendite von mehr als 5 % und ein Return of Invest nach 11 Jahren. Jedes Windrad hat bei Vollausnutzung eine Leistung von 3,2 MW und kann bis Windstärken vom 27 m/s betrieben werden. Dazu steht das Windrad auf einem kreisrunden Fundament mit einem Durchmesser von 27 m aus 1.300 m³ Beton. Das Fundament ruht auf Bohrpfählen, die den Knollenmergel durchdringen und in den Stubensandstein einbinden. Der Turm besteht im unteren Teil aus Betonteilen und im oberen 50 m langen Abschnitt aus Stahlröhren, er muss die 150 t schwere Gondel tragen, an der die 3 jeweils aus 2 Teilen (45 m und 15 m) zusammengesetzten Carbonflügel angeflanscht sind.

Untersuchung von Straßenbelag und -unterbau mittels Georadar
Untersuchung von Straßenbelag und -unterbau mittels Georadar

Trotz des sehr aktuellen Vortragsthemas Luftqualitätsmanagement in Städte am Beispiel Stuttgart konnten von der Bezirksgruppe zur Fortbildungsveranstaltung und Mitgliederversammlung der Landesvereinigung am 09.06.16 in Leonberg leider nur 7 Mitglieder zur Teilnahme bewegt werden.