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Kombilösung Karlsruhe mit Baustellenbesichtigung

17. September 2015 |

Im Infopavillon am Ettlinger Tor („K-Punkt“) erläuterte Herr Banschbach von der Kasig unserer knapp 40-köpfigen Besuchergruppe in gekonnter Manier den Stand der Arbeiten und gab einen Ausblick auf die nächsten Arbeitsschritte, bevor uns Herr Müller von der externen Bauüberwachung noch über die Baustelle begleitete.

Am 8.10.14 hatten wir die am Durlacher Tor aufgebaute Tunnelbohrmaschine (TBM) besichtigen können, kurz bevor sie sich Ende Oktober auf ihren ca. 2 km langen Weg durch den Karlsruher Untergrund machte. Pünktlich zur diesjährigen Veranstaltung hatte sie am 7.9.15 ihr Ziel am Mühlburger Tor erreicht. Die Tunnelvortriebsmaschine „Giulia“ hatte die Wand des zu 2/3 gefluteten Zielschachtes durchfahren. Mit dem Wasserpolster wurden die Druckverhältnisse bei der Tunnelausfahrt ausgeglichen. Zwei Mineure klettern von innen in Öffnungen im Schneidrad und winken heraus. Die z.T. abenteuerliche Fahrt ist beendet. 150 Köpfe stark war die Mannschaft der TBM.

Schild der TBM bei der Abnahme 2014
Schild der TBM bei der Abnahme 2014

Der Nachläufer wird bis zum Durlacher Tor zurückgezogen und dort in den kommenden Wochen zerlegt, das vordere Teil mit dem 90 Tonnen schweren und neun Meter hohen Schneidrad im Bereich der Zielgrube. Viele Teile des über 80 Meter langen Tunnelbauzuges werden zurück zum Hersteller nach Schwanau transportiert, wo sie für andere Projekte wiederverwendet werden.

Zwei Mal auf „Guilias“ Weg hatten Hohlräume Schwierigkeiten gemacht. Diese hatten sich im Bereich vor und nach der durchfahrenen Haltestelle Marktplatz aufgrund abrupter Druckunterschiede in Verbindung mit der Lagerung des Kiessand-Gemisches vor dem Schild aufgetan, so dass der Bohrer insgesamt drei Monate fest saß. Aufgrund guten Bohrfortschritts auf der „freien Strecke“ konnte der Zeitverlust nahezu aufgeholt werden. Kalkuliert waren im Mittel zehn Meter am Tag, erreicht wurden in der Spitze bis zu 28 Meter. Ohne Pannenpausen bohrte „Giulia“ nur sieben Monate unter der Kaiserstraße.

Künftige Haltestelle Marktplatz
Künftige Haltestelle Marktplatz

In den kommenden Monaten erfolgt dann der sog. Aushub unter Deckel im Bereich der Haltestellen Kronenplatz, Marktplatz und Europaplatz.. Über kleine Öffnungen werden die im Kiessand mittels Sohlinjektionen, Bohrpfahl- bzw. Schlitzwänden und aufbetoniertem Deckel vorab hergestellten Haltestellenkörper mit Elektrobaggern von oben ausgehoben, bevor dann die bei der Durchfahrt der Tunnelbohrmaschine durch die Haltestelle hergestellte Tunnelröhre abgebrochen wird. Im Anschluss erfolgt der Innenausbau der Haltestellen. Eine Havarieleitung wurde in den letzten Wochen entlang der Kaiserstraße verlegt, um bei Grundbruch während des Aushubs die Baugrube schnell verfüllen zu können, damit die angrenzende Bebauung keinen Schaden nimmt.

Havarieleitung in der Kaiserstraße
Havarieleitung in der Kaiserstraße

Der bergmännische Vortrieb im sog. Südabzweig zwischen Marktplatz und Ettlinger Straße erfolgt ebenfalls ab 2016. Auf einer Länge von 250 Metern kommt die Neue Österreichische Tunnelbauweise (NÖT) zur Anwendung, d.h. bergmännischer Vortrieb mit Injektionen und Druckluft. Derzeit wird die Druckkammer am Ettlinger Tor gebaut. Eine offene Bauweise war aufgrund der vorhandenen Leitungen und der Nähe der angrenzenden Gebäude nicht möglich. Mit Injektionen wurde der Untergrund bereits stabilisiert.

Derzeit im Vergabeverfahren befindet sich das zweite Teilprojekt der Kombilösung, der Bau eines 1,7 km langen 2-streifigen Autotunnels in der Kriegsstraße zwischen Mendelsohnplatz und Karlstor mit oben liegender Straßenbahn. Zur Aufwertung des Stadtbildes sowie aus stadtklimatischer Sicht wird die Straßenbahn ein begrüntes Gleisbett erhalten, außerdem werden Baumreihen gepflanzt. Am Ettlinger Tor soll das Parkhaus des Einkaufcenters an den Straßentunnel sowie die Verkaufsflächen direkt an die Haltestelle angebunden werden. Derzeit wird kräftig am sogenannten Kombibauwerk gearbeitet.

Kombibauwerk am Ettlinger Tor
Kombibauwerk am Ettlinger Tor

Hier werden sich künftig der Autotunnel der Kriegsstraße, die obenliegende Straßenbahn der Kriegsstraße und der ganz unten liegende Stadtbahntunnel zum Marktplatz kreuzen. Die bestehenden Rampen des alten Kriegsstraßentunnels wurden bereits verfüllt als Aufstandsfläche für das Bohrgerät, das die Bohrpfahlwände für den neuen Tunnel in diesem Bereich Kombibauwerk herstellt. Nach einer Rückverankerung wird eine sog. Weichgelsohle hergestellt, bevor der Tunnel in offener Weise ausgehoben wird.

Nach dem Vortrag konnten wir auf einer kleinen Baustellenführung u.a. noch einen Blick in die imposante Halle des künftigen Kombibauwerks werfen.

Deckel der Südabzweig-Haltestelle Kongresszentrum mit Lichtschächten
Deckel der Südabzweig-Haltestelle Kongresszentrum mit Lichtschächten

Trotz des regnerischen Nachmittages bekamen wir wieder sehr interessante Informationen und Eindrücke von diesem für die Stadt immens wichtigen Großprojekt.

Kai Zumkeller