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Kombilösung Karlsruhe mit Baustellenbesichtigung

21. September 2016 |

Inzwischen ist die jährliche Information über den Fortschritt der Kombilösung – Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße und stadtbahngerechter Umbau der Kriegstraße – fester Bestandteil unseres Jahres-programms. Im Infopavillon am Ettlinger Tor („K-Punkt“) erläuterte uns Herr Banschbach von der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) anhand einer Präsentation wieder den aktuellen Projektstand. Anschließend konnten wir mit zwei Vertretern der örtlichen Bauüberwachung noch einzelne Arbeitsstellen begehen.

Bei unserem letzten Besuch im September 2015 hatte die Tunnelvortriebsmaschine die Kaiserstraße gerade durchfahren. Derzeit wird die sog. Gleisebene im 2 km langen Bahntunnel betoniert. Der Aushub der Haltestellen mit dem Einziehen von Zwischenwänden und der Demontage der Primärstützen sind in vollem Gange. Dies gilt auch für das Kombibauwerk am Ettlinger Tor, wo der neue B 10-Straßentunnel künftig den Südabzweig kreuzen wird.

Blick ins Kombibauwerk am Ettlinger Tor
Blick ins Kombibauwerk am Ettlinger Tor

Am 17.9.16 veranstaltete die KASIG am Marktplatz einen Tag der offenen Baustelle, zu dem 10.000 Besucher kamen. Die 100 m lange, 28 m breite und 11 m hohe Halle der Haltestelle wurde eigens dafür illuminiert und konnte in Gruppen á 200 Personen besichtigt werden. Insgesamt 6.000 Besucher wagten den Abstieg.

Was die Haltestellenplanung insgesamt betrifft, so sollen die unterirdischen Haltestellen 100 m lang und barrierefrei erreichbar sein (1 Aufzug pro Gleis, 7-14 m Höhenunterschied). Außerdem erfolgt ein wirtschaftlicher Einsatz von Fahrtreppen. Wo möglich wird eine natürliche Belichtung angestrebt.

Südabzweig-Haltestelle Kongresszentrum mit Lichtschächten
Südabzweig-Haltestelle Kongresszentrum mit Lichtschächten

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Brandschutz bzw. den Rettungskonzepten. So sind pro Bahnsteig zwei unabhängige Ausgänge vorgesehen. An den Treppen sollen permanente Verglasungen ein Aufsteigen von Rauch in die nächsthöhere Ebene erschweren. Rauch- und Wärmeabzüge mit Ventilatoren sorgen im Ernstfall zudem für eine mechanische Entrauchung. Eine kommerzielle Nutzung innerhalb der unterirdischen Haltestellen ist zur Minimierung der Brandlast nicht vorgesehen.

Die Oberflächen um die beiden Haltestellen zwischen dem Anfang- und Endpunkt des Stadtbahntunnels sind bereits am weitesten gediehen. Sowohl am Durlacher Tor im Osten als auch am Mühlburger Tor im Westen werden an der Oberfläche die Gleise zur Umfahrung der Portale bereits im Endzustand hergestellt, ebenso die dortigen für den Stadtverkehr bedeutsamen Verkehrsknoten. Bis März 2017 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, und damit die gravierendsten Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs der Vergangenheit angehören.

Ein markanter Schwerpunkt der Arbeiten lag und liegt auf dem sog. Südabzweig zwischen Kaiserstraße und Kongresszentrum mit Querung der Kriegstraße. In 2017 sollen hier die Oberflächen wieder soweit hergestellt werden.

Blick aufs Ettlinger Tor von Süden
Blick aufs Ettlinger Tor von Süden

Im Untergrund laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Die Hilfsbrücken im Bereich der Baumeisterstraße sollen bis Ende 2016 verschwinden, da bis dahin die Tunneldecke (Südabzweig tlw. In offener Bauweise) komplett hergestellt sein sollen.

Kabelquerungen und Hilfsbrücken
Kabelquerungen und Hilfsbrücken
Fehlende Tunneldecke des Südabzweigs südlich der Kreuzung Baumeisterstraße
Fehlende Tunneldecke des Südabzweigs südlich der Kreuzung Baumeisterstraße

Nördlich des Ettlinger Tors, unter der Karl-Friedrich-Straße erfolgt noch der bergmännische Vortrieb mit Luftdruckunterstützung. Da das Grundwasser bis auf 5 m unter die Oberfläche reicht, war es notwendig, hier vorab über ca. 2.500 Weichgel- und Feststoffinjektionen den Untergrund zu stabilisieren. Dennoch beträgt die Vortriebsleistung für den 250 m langen Abschnitt „nur“ 2 m pro Tag. Dass es der Abschnitt in sich hat, belegt auch der Umstand, dass der sog. Landgraben, ein gewaltiger historischer Abwasserkanal mit nur 1,5 m Firstabstand schräg unterfahren werden muss. Der Landgraben musste im Kreuzungsbereich vorab zusätzlich gesichert werden. Ein Mantelrohr wurde eingezogen, der Unterfahrungsbereich seitlich abgemauert und mit Kies verfüllt. Zusätzlich wurde ein Injektionsbohr-rohrschirm eingebracht. So soll gewährleistet sein, dass der Landgraben keine Setzungen erfährt. Unmittelbar nördlich des Landgrabens beginnt die Tunnelaufweitung für die Haltestelle Marktplatz, was das Unternehmen auch nicht gerade einfacher macht. Hier soll von Süden kommend auch das sog. „Pfälzer Gleis“ enden (neue Linie aus Rheinland-Pfalz über den Hauptbahnhof).

Interessant waren auch die Daten zum Personaleinsatz auf der Baustelle. Die Bauüberwachung arbeitet derzeit mit 30 Personen. Auf der „Kombibaustelle“ sind derzeit rund 500 Arbeiter. Beim kommenden Innenausbau von Tunnel und Haltestellen werden sich bis max. 3.000 Personen samt Material auf der Baustelle bewegen – eine logistische Herausforderung. Bei unserer nächsten Besichtigung im Herbst 2017 werden wir davon berichten können. Vielleicht ist dann auch das 1,7 km lange Teilprojekt Kriegstraße angelaufen, dessen Vergabe durch den Bundesrechnungshof bislang gestoppt wurde.

Kai Zumkeller