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Radtour mit Besichtigung des Klärwerks Karlsruhe

16. Juli 2015 |

Die im Juli traditionelle Radtour der Bezirksgruppe Karlsruhe führte in diesem Jahr mit einer „Flachetappe“ zum Klärwerk im Stadtteil Neureut, welches derzeit einen umfangreichen Ausbau erfährt. Bei strahlendem Sonnenschein und sehr sommerlichen Temperaturen von 35 Grad starteten wir am Schlossplatz in Karlsruhe und fuhren im Schatten des Hardtwaldes in Richtung Norden. Ein kurzer Boxenstopp an der Eisdiele half dann dem leicht verschwitzten Fahrerfeld, die letzten Kilometer mit einem entspannten Zielsprint ins Klärwerk zu meistern. Kurz zuvor passierten wir unmittelbar östlich der B 36 die Stelle, an der im Jahr 1913 mit einem Grobrechen und einer nachgeschalteten, rotierenden Rechenschrägscheibe die Abwasserreinigung in Karlsruhe ihren Anfang fand.

Im heutigen Klärwerk, das westlich der B 36 seit 1952 besteht, angekommen, wurden wir vom Leiter der Abteilung Neubau, Herrn Eberhard, und vom Betriebsleiter, Herr Steinert, begrüßt. Herr Riesterer übernahm dann die umfangreiche Erläuterung der Anlage an der Übersichtstafel im Verwaltungsgebäude und die anschließende Führung über das Klärwerksgelände.

Erläuterung der mechanischen Reinigung
Erläuterung der mechanischen Reinigung

Das Klärwerk Karlsruhe ist die zweitgrößte Anlage in Baden-Württemberg und ist für insgesamt 875.000 Einwohnerwerte und eine maximale Zulaufmenge von 4 m³/s ausgelegt. Ein rund 1.100 Kilometer langes Entwässerungsnetz sammelt das Abwasser aus dem Stadtgebiet. Darüber hinaus sind der Abwasserverband Beierbach, sowie Ettlingen, Rheinstetten-Forchheim und Malsch an die Anlage angeschlossen. Der Betrieb wird in drei Schichten mit insgesamt ca. 65 Personen sichergestellt.

Die Abwasserreinigung erfolgt heute in drei Verfahrensschritten: In der mechanischen Reinigungsstufe werden zunächst grobe Inhaltsstoffe in einer automatischen Rechenanlage zurückgehalten. Mineralische Bestandteile, wie Sand und Kies, setzen sich im belüfteten Sandfang ab. Anschließend wird dem Abwasser Eisen-II-Sulfat für die Phosphatfällung zugegeben und im Fettfang werden Fett und Schwimmstoffe abgeschieden.

Mechanische Reinigung, Belebungsbecken
Mechanische Reinigung, Belebungsbecken

In der ersten biologischen Reinigungsstufe wird das mechanisch grob gereinigte Abwasser in die Belebungsbecken zur Stickstoffeliminierung durch Denitrifikation geleitet. Im nachfolgenden Zwischenklärbecken werden Schlamm und Wasser getrennt. Es folgt in der zweiten biologischen Reinigungsstufe die Verrieselung des Abwassers über den acht Tropfkörpern, die aus Lavasteinen aus der Eifel aufgebaut sind. Dort wird mit Hilfe von Bakterien, die sich auf der Oberfläche der Lavasteine ansiedeln, Ammoniumstickstoff zu Nitrat oxidiert (Nitrifikation). In vier Nachklärbecken wird der restliche Schlamm vom Wasser getrennt. Das Abwasser ist damit zweifach biologisch gereinigt und fließt nun in einem offenen Kanal in den Rhein.

Der aus den Zwischen- und Nachklärbecken anfallende Schlamm hat einen Feststoffanteil von lediglich 1,2 % (=Trockensubstanz, TS), der Rest ist Wasser. Die Reduzierung des hohen Wasseranteils zur Schlammverbrennung erfolgt zunächst mittels Voreindickern und Zentrifugen. Die für die selbstständige Verbrennung erforderlichen 42 % TS werden durch einen mit Dampf beheizten Scheibentrockner erreicht. Verbrannt wird der Klärschlamm dann bei einer Temperatur von 850 °C in einem Wirbelschichtofen.

Über einen Abhitzekessel wird die im Rauchgas enthaltene Wärmeenergie zu 60 % für die Dampferzeugung und zu 40 % zur Stromerzeugung genutzt. Damit können ca. 10 % des Eigenbedarfs an Strom gedeckt werden. Staubpartikel im Rauchgas werden mittels Elektrofilter zurückgehalten und die anschließende dreistufige Rauchgaswäsche entfernt die restlichen Schadstoffe. Von den täglich anfallenden 2.500 m³ Schlamm bleiben schlussendlich etwa 10 m³ Asche übrig, die als Zuschlagstoff für den Grubenversatz in Bergwerken verwertet wird.

Tropfkörper, Verbrennungsanlage
Tropfkörper, Verbrennungsanlage

In den letzten Jahren hat die Wasserzulaufmenge zum Klärwerk deutlich abgenommen. Auf Grund der gleichbleibenden Schmutzfrachten im Abwasser hat sich damit die Zulaufkonzentration erhöht. Bei einer gleichbleibenden Reinigungsleistung steigen damit die Ablaufwerte des Klärwerks. Um auch zukünftig die gesetzlichen Vorgaben einhalten zu können, begann Ende 2013 mit einem offiziellen Spatenstich der Bau einer zusätzlichen Filtrationsanlage, bestehend aus 32 Filterbecken mit je ca. 40 m², zur Rückhaltung von Feinstoffen.
Neben der weiteren Verbesserung der Ablaufwerte ist in einem zweiten Ausbauschritt eine Adsorptionsstufe geplant. Mit Hilfe eines Aktivkohlefilters werden hierbei Spurenstoffe, wie Medikamentenrückstände oder Hormonstoffe, aus dem Abwasser entfernt. Die Adsorptionsstufe umfasst zwei Sedimentationsbecken, sechs Kontaktbecken, eine Dosierhalle sowie ein Rücklaufpumpwerk.

Bis 2019 soll die vierte Reinigungsstufe, bestehend aus den beiden Bauabschnitten Filtrationsanlage und Adsorptionsstufe, fertiggestellt sein. Insgesamt 50 Millionen Euro werden damit innerhalb von sechs Jahren in das Klärwerk Karlsruhe investiert.

Betriebszentrale
Betriebszentrale

Mit einem Blick in die Betriebszentrale und auf deren großformatige Monitorwand fand die umfangreiche und sehr informative Besichtigung des Klärwerks ihren Abschluss. Der bis dahin temperaturbedingt bei allen Teilnehmern entstandene Flüssigkeitsverlust, konnte anschließend im Biergarten im Stadtteil Knielingen erfolgreich ausgeglichen werden.

Tobias Pfister