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Vortrag „Bauen mit Eis – Moderne Anwendungen des Gefrierverfahrens“ und Mitgliederversammlung

24. November 2016 |

Zu unserer letzten Veranstaltung im Jahr 2016 trafen wir und wieder im „K-Punkt“ am Ettlinger Tor Platz. Als Referenten für den Vortrag konnten wir unser Mitglied, Herrn Dr. Orth vom gleichnamigen Ingenieurbüro für Bodenmechanik und Grundbau gewinnen.
Der Vortrag zeigte verschiedene typische Anwendungsfälle des Gefrierverfahrens aus den Bereichen Spezialtiefbau, Umwelttechnik und Bodenerkundung. Weiterhin wurden Einblicke in die thermische und mechanische Bemessung von Bodenvereisungen gegeben sowie die besonderen Merkmale des Gefrierverfahrens dargestellt.

Patentiert wurde das Gefrierverfahren von Friedrich Hermann Poetsch im Jahre 1883. Anwendung findet das Verfahren als vorübergehende Bauhilfsmaßnahme, wo seine besonderen Vorteile zum Tragen kommen.

Historisches Dokument für Gefriertechnik beim Schachtbau im Grundwasser
Historisches Dokument für Gefriertechnik beim Schachtbau im Grundwasser

Das Verfahren wird seit mehr als 100 Jahren im Schachtbau angewendet. Für einfache Standardfälle ist das Gefrierverfahren in der Regel zu teuer. Vorteil des Verfahrens ist die Anwendbarkeit in praktisch allen Bodenarten. Gefrorener Boden ist annähend so fest wie Magerbeton, bildsam, wasserdicht und chemisch neutral. Letztere Eigenschaft wird zum Beispiel bei Altlastensanierungen genutzt, wenn die kontaminierten Schichten in gefrorenem Zustand ausgebaut werden. Die Frostkörper können beliebig nahe an oder unter bestehenden Bauwerken hergestellt werden, was Herr Dr. Orth am Beispiel des U-Bahnbaus in Großstädten wie München oder Berlin sehr schön veranschaulichte. Ein schönes Beispiel hierzu war auch die Sicherung historischer Gebäude auf der Museumsinsel in Berlin.

Interessiertes Auditorium
Interessiertes Auditorium

Aus Sicht der Umwelt zeichnet sich das Gefrierverfahren dadurch aus, dass nach dem Auftauen außer einigen dünnen und weichen Rohren keine Rückstände im Boden verbleiben, und spätere Baumaßnahmen so nicht behindert werden. Außerdem sind keine schädlichen Belastungen von Boden oder Grundwasser zu erwarten.
Es handelt sich auch um ein sehr sicheres Verfahren, da eine verlässliche Kontrolle der Frostausbreitung und Festigkeit durch Temperaturmessung möglich ist. Die Messergebnisse liefern nicht nur Informationen am Messpunkt, sondern lassen sich durch die Gesetzmäßigkeiten der Wärmeausdehnung auch auf Nachbarbereiche in gewisser Entfernung übertragen. Weiterhin können Frostkörper auch während der Nutzung durch stärkeres Vereisen vergrößert und ertüchtigt werden. Damit ist eine gute Steuerung und Betriebssicherheit möglich.
Aus Sicht der Bemessung von Frostkörpern sind die besondere Gitterstruktur und die Spannungsverteilung unter Biegung bemerkenswert. Auch das Kriechen ist ein Thema. So sollte im Tunnelbau im Bereich der Frostkörper nicht zu lange mit dem Aufbringen des Spritzbetons gewartet werden.

Stufenversetzung in Gitterstrukturen
Stufenversetzung in Gitterstrukturen
Spannungsverteilung im Frostkörper
Spannungsverteilung im Frostkörper

Im Anschluss daran fand die jährliche Mitgliederversammlung unserer Bezirksgruppe statt. Gemeinsam blickten wir auf die Veranstaltungen in 2016 zurück. Highlight war sicherlich das 50-jährige Jubiläum der Landesvereinigung in der Neureuter Badnerlandhalle am 20. Oktober. Für die Bezirksgruppe war es ein Glücksfall, an der Ausrichtung eines solchen Events beteiligt zu sein, zumal das Echo auf die Veranstaltung sehr positiv ausfiel.
Weiterhin wurde aus der Arbeit des Landesvorstandes berichtet. Positiv aus Sicht der Bezirksgruppe ist die Mitgliederentwicklung, die gegen den landesweitern Trend sehr stabil bleibt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen – weiter so !!!

Kai Zumkeller